EM-Tagebuch, 4. September 2011, 14.00 Uhr, Siauliai

Wenn wir jetzt zum wiederholten Male schreiben, dass ein schier endloser Nachmittag bis zum Spiel vor uns liegt, dann tun wir das nicht, weil uns nichts mehr einfällt, sondern weil wir dokumentieren möchten, wie relativ eintönig und immer gleich ablaufend solche Spieltage bei einer EM sind. Zumal dann, wenn man immer zur gleichen Zeit spielt. Da freut man sich sogar ein bisschen, wenn mal in einer anderen Trikotfarbe gespielt wird und sich damit das Morgentraining um eine Stunde verschiebt. Morgen wird es ganz anders, wir sind mal gespannt, wie uns nach vier 21 Uhr-Spielen der Rhythmuswechsel auf 17.45 Uhr gelingt.

Es wird bereits munter gerechnet, aber noch sind viel zu viele Konstellationen möglich, als dass wir uns zum jetzigen Zeitpunkt daran beteiligen möchten. Bei einem Sieg gegen Serbien sind wir aber in jedem Fall sicher in der Zwischenrunde. Im nächsten Tagebucheintrag gibt es zu diesem Thema sicher mehr zu schreiben.

Die heutige Medienrunde bestritten Steffen Hamann, Lucca Staiger und Bundestrainer Dirk Bauermann. Die Medienvertreter stellten viele rückblickende Fragen zum Frankreichspiel und weniger in Richtung auf den heutigen Gegner Serbien. “Natülich beschäftigt einen solch´ eine Niederlage, aber ein Rückschlag kann in einem Turnier passieren. Das muss man abhaken, unsere volle Konzentration gilt jetzt Serbien”, machte Steffen klar. Er halte seinen heutigen Gegenspieler Milos Teodosic für nicht so stark wie Ton Parker. Außerdem fühle er sich deutlich besser, seine Rückenverletzung sollte kein Thema mehr sein. “Es geht ja auch nicht um mich, sondern um den Erfolg des Teams. Klar war der Zeitpunkt der Verletzung blöd, weil ich vorher topfit war, aber das spielt jetzt keine Rolle mehr”, so der Point Guard.

Lucca Staiger erklärte, dass der Coach die Mannschaft gut auf Serbien vorbereitet habe und dass man auf die harte und bisweilen unsaubere Gangart des Teams vom Balkan gefasst sei. Bauermann wollte dieses Thema aber nicht überbewerten: “Dass die Serben sehr physisch spielen, ist ja bekannt, aber da müssen wir uns auch nichts einreden. Wir müssen dagegen halten, selber aggressiv sein und uns nicht nur wehren”, appelierte er an sein Team. Es sei ganz wichtig, dass man Dirk Nowitzki und Chris Kaman gut ins Spiel bringe, auch wenn man das phasenweise gegen Frankreich  etwas übertrieben habe. “Du brauchst ein kurzes Gedächtnis bei einem solchen Turnier”, sagte er und meinte damit, dass man schnell einen Schlussstrich unter absolvierte Spiele setzen müsse. “Ich beziffere die Chancen auf 50:50, die Serben liegen uns vielleicht eher als die Franzosen. Die sind aber alle extrem ausgebufft und spielen bei europäischen Top-Vereinen. Dennoch, am Ende eines knappen Spieles ist niemand besser als Dirk”, so der Bundestrainer weiter.

Zur in den Medien geäußerter Kritik an der Qualität der deutschen Spieler auf den kleinen Positionen sagte der Bundestrainer: “Wir sind sehr zufrieden mit unseren Spielern auf den kleinen Positionen. Grundsätzlich gilt aber, dass wir dort mehr Spieler von europäischer Qualität finden und fördern müssen. Es sei ebenfalls sehr wichtig, junge Spieler früh auf ihren späteren Positionen zu schulen und auch einzusetzen. “Da sind wir aber auf einem guten Weg im Verband, das geht nur nicht von heute auf morgen.”

Heute “nur” zwei Fotos:


Rückblick auf gestern: das Team trifft Sport1-Experte Stephan Baeck in der Stadt.


Philipp Schwethelm kümmert sich beim heutigen Morgentraining um seine Muskeln, natürlich auch um die Gesäßmuskulatur.