Favoriten starten ohne Fehltritt in die EM

Tageszusammenfassung 1. Spieltag, 31. August 2011

Freunde von Überraschungen gingen am Eröffnungsspieltag der Europameisterschaft in Litauen leer aus. Zwar wankten einige Favoriten in ihren Auftaktspielen mächtig, doch am Ende kamen alle mit einem blauen Auge davon.

Gruppe A (Panevezys)

In Panevezys hatten die Favoriten Spanien (83:78 über Polen) und Litauen (80:69 über Großbritannien) mehr Mühe als erwartet. Nur die Türkei gab sich beim 79:56 über Portugal mit einem nahezu unfehlbaren Enes Kanter (nur zwei Fehlwürfe, 14 Punkte und 7 Rebounds) keine Blöße, ging früh 33:15 in Führung und baute den Vorsprung gegen die klar unterlegenen Portugiesen nach der Pause sogar noch weiter aus (Endstand 79:56).

Europameister Spanien lag schon 42:25 in Führung, aber die Polen um Spielmacher Lukasz Koszarek (19 Punkte) und den eingebürgerten US-Forward Tomas Kelati (18 Punkte und 7 Assists) steckten nicht auf und holten Punkt um Punkt auf. Am Ende mussten Spaniens Stars Pau Gasol (29) und Juan Carlos Navarro (23) den 83:78-Sieg sicherstellen.

Großbritannien mit seinem gut aufgelegten NBA-Star Luol Deng (25 Punkte und 10 Rebounds) ließ sich vor 5.500 litauischen Fans auch von einem 39:49-Rückstand zur Halbzeit nicht beirren und drehte das Match mit starker Verteidigung nach der Pause sogar noch zur eigenen 54:57-Führung. Erst im Schlussviertel sorgten Dreier von Mantas Kalönietis und Rimantas Kaukenas zum 73:63 für die Entwarnung bei den litauischen Fans (Endstand 80:69).

Gruppe B (Siauliai)

In der deutschen Vorrundengruppe landeten zwar Serbien (80:68 über Italien) und Frankreich (89:78 über Lettland) die erwarteten Auftaktsiege, aber beide Spiele blieben lange offen und bestätigten damit die Einschätzung, dass dies mit Abstand die stärkste und unberechenbarste der vier Gruppen ist.

So überraschte Italien Serbien mit einem einem 9:0-Blitzstart, bevor der Vizeeuropameister mit der Einwechslung von Milan Macvan (14 Punkte und 8 Rebounds) ins Spiel fand und bis zur Pause 35:29 in Führung ging. Angeführt von Spielmacher Milos Teodosic (15 Punkte und 8 Assists) erhöhten die Serben auf 49:32, bevor Center Andrea Bargnani (22 Punkte und 9 Rebounds) die italienischen Hoffnungen erneut aufblühen ließ (57:53). Mit nur 2/17 Dreiern trafen die Italiener aber aus der Distanz zu schwach, um das Spiel noch einmal zu kippen.

Die Begegnung zwischen Frankreich und Lettland wurde überstrahlt vom Duell zwischen Frankreichs Tony Parker und Lettlands Janis Blums, die mit 31 bzw. 32 Punkten die Topscorer des ersten Spieltages waren. Die Letten, speziell Blums (6/9 Dreier) schockten den Favoriten mit traumwandlerischer Treffsicherheit aus der Distanz (11/23) und ließen sich nie abschütteln. Erst als Frankreich mit Boris Diaw (14) und Joaquim Noah (10) im Schlussviertel auch am Brett Antworten auf die lettische Zonenverteidigung fand, war der Außenseiter 89:78 geschlagen.

Gruppe C (Alytus)

In Alytus quälte sich Griechenland zu einem mühsamen 76:67 über Bosnien, Kroatien bezwang Finnland ebenfalls denkbar nur knapp mit 84:79. Im Duell zwischen Montenegro und Mazedonien gab es die erste Verlängerung der EM. Beide Teams lieferten sich von der ersten Minute an einen nervösen und hektischen Schlagabtausch, der die von Bo McCalebb (17 Punkte) angeführten  Mazedonier zur Pause 30:25 vorne sah. Im zweiten Durchgang ging Montenegro mit dem überragenden Forward Vladimir Dasic (20 Punkte und 16 Rebounds) 58:51 in Führung, doch Pero Antic rettete Mazedonien in die Verlängerung, in der wieder Dasic den 70:65-Sieg sicherstellte.

Obwohl Bosniens Star Mirza Teletovic mit 0/9 Dreiern einen rabenschwarzen Tag erwischte, brachte der Außenseiter um Center Elmedin Kikanovic (15 Punkte) den Gruppenfavoriten Kroatien über weite Strecken mächtig ins Schwitzen. Erst in der Schlussphase sicherten die Griechen mit Dreiern von Nikos Zisis und Kostas Papanikolaou den 76:67-Sieg.

Erst vor einer Woche nachträglich für die EM qualifiziert, lieferte das vom Guard-Duo Petteri Koponen (14 Punkte) und Sasu Salin (13) angetriebene Finnland den favorisierten Kroaten einen großen Kampf und lag dank 11/27 Dreiern über weite Strecken sogar in Führung. Aber auch die Kroaten hatten mit Bogdan Bogdanovic (27 Punkte, 6/8 Dreier) einen überragenden Scorer auf dem Parkett, der in der Crunch-Time mit seinen letzten beiden Dreiern den 84:79-Sieg besiegelte.

Gruppe D (Klaipeda)

Auch in Klaipeda gab es keine Überraschungen, aber Sloweniens 67:59 über Bulgarien und Russlands 73:64 hingen lange am seidenen Faden. Einzig Georgien landete mit 81:59 über Belgien einen klaren Sieg. Dabei bildete die von Viktor Sanikidze (13 Punkte und 11 Rebounds) angeführte deutliche Reboundüberlegenheit von 38:21 die Grundlage für den Kantersieg. Zaza Pachulia war mit 16 Zählern Georgiens Topscorer in der von der ersten Minute an einseitigen Partie.

Das Spiel zwischen Slowenien und Bulgarien glich über weite Phasen einem Festival der verworfenen Dreier. Beide Teams investierten 47 Versuche, um je drei Dreier zu erzielen. Die Entscheidung fiel folglich innen durch Sloweniens Center Erazem Lorbek, der den Favoriten mit 18 Punkten und 9 Rebounds auf die Siegerstraße führte. Aus dem bulgarischen Team stach Spielmacher E. J. Rowland mit 20 Zählern und 9 Rebounds heraus.

Russland tat sich bis in die Schlussphase hinein schwer, gegen die hochgewachsenen Ukrainer um Sergej Lishchuk (mit 14 Punkten auch in der Offensive bester Ukrainer) leichte Punkte am Brett zu finden. Sogar NBA-Star Andrej Kirilenko (20 Punkte und 11 Rebounds) verzeichnete mit 39 Prozent eine magere Trefferquote, führte aber dennoch mit wichtigen Punkten, Rebounds und Assists Russlands entscheidenden  8:2-Lauf zum 73:64 an.