Interview Chris Kaman

An dieser Stelle präsentieren wir Ihnen Interviews, die mit den jeweiligen Spielern im DBB-Journal erschienen sind. Die können durchaus schon etwas älter sein, haben aber nach Meinung der Redaktion kaum etwas von Ihrem Reiz verloren.

Chris Kaman, DBB-Journal Nr. 4 vom August 2008

„Es ist Basketball, und du weißt nie, was kommt!”

 

Schon in der letzten Ausgabe des DBB-Journals haben wir ihn vorsichtig angekündigt. Mittlerweile hat Chris Kaman, 2,13 Meter langer Center der Los Angeles Clippers in der NBA, elf Spiele für Deutschland absolviert und mit dafür gesorgt, dass sich die deutschen Korbjäger ihren großen Traum von Olympia erfüllen durften. Kurz vor der Abreise in die chinesische Metropole stand er für ein Gespräch zur Verfügung und berichtete über seine erste Zeit in Deutschland und mit der Mannschaft.

Was ist der Unterschied zwischen NBA und FIBA-Basketball generell und für Sie persönlich?
Generell wird hier (außerhalb der NBA – Anm. d. Red.) physischer gespielt als in der NBA. Dafür ist das Tempo langsamer und das Spiel nicht so athletisch. Die Spieler hier sind – vielleicht mit Ausnahme der besten 50 NBA-Spieler – besser ausgebildet, haben mehr individuelle Fähigkeiten, können mit beiden Händen agieren und besser passen. FIBA-Basketball ist eindeutig Defense-lastiger als NBA-Basketball. Für mich ist es gut, dass ich näher am Korb spielen kann und mich wegen der unterschiedlichen Defense-Regeln ständig nahe am Korb aufhalten kann, wo meine Stärken liegen. Dafür muss ich wegen der Schrittregeln aufpassen, aber das klappt eigentlich ganz gut. Letztlich ist beides Basketball, das spiele ich, seit ich fünf Jahre alt bin, da kann ich mich schnell an kleine Änderungen gewöhnen.

Würden Sie sagen, dass die NBA Business ist und FIBA-Basketball demgegenüber Sport und Spaß?
NBA ist ganz sicher Business, das sieht man schon daran, dass man als Spieler jederzeit überall hin getradet werden kann. Aber ohne Spaß würde auch dort überhaupt nichts funktionieren. Hier in der Nationalmannschaft und bei den Olympischen Spielen ist erst einmal der größte Unterschied, dass niemand für das Spielen bezahlt wird. Daher steht der Spaß an erster Stelle. Die Mannschaft ist viel enger zusammen als ein NBA-Team, es gibt jahrelange Freundschaften, die deutsche Mannschaft zum Beispiel ist auf vielen Positionen seit Jahren zusammen. Das gibt es so in der NBA nur ganz selten. Ich fühle mich hier sehr an meine College-Zeit (Central Michigan University – Anm. d. Red.) erinnert und mag diese Zusammengehörigkeit sehr.

Wie sind Ihre Erfahrungen in der deutschen Mannschaft bisher? Haben Sie einen besonderen Freund?
Alle Leute hier sind wirklich gute Jungs. Sehr hilfsbereit und freundlich, ich habe mich von Beginn an sehr wohl gefühlt. Noch bevor ich nach Deutschland gekommen bin, haben mir Dirk Nowitzki und Dirk Bauermann am Telefon erklärt, wie hier gespielt wird und welche Ideen sie von meinem Spiel haben. Da kam ich dann nicht gänzlich unvorbereitet. Einen speziellen Freund habe ich eigentlich nicht, dazu ist die Zeit bisher auch zu kurz gewesen. In Bamberg bin ich bei Steffen Hamann untergekommen, das war cool.

Sie machen immerzu Witze, sind immer fröhlich. Wie finden Sie die Balance zwischen Witze machen und voller Konzentration auf das Spiel?
Die NBA hilft dir das so zu machen. Wir spielen mindestens 82 Spiele in fünf Monaten. Wenn man da nur ernst und konzentriert wäre, würde man keine Saison durchhalten. Wichtig ist es halt, zu wissen, wann man den Schalter umlegen muss, denn man hat schließlich einen Job zu erledigen und wird sehr gut dafür bezahlt. Das gelingt mir aber gut. Und man kann es ja auch so sehen: lachen macht locker, und Lockerheit schadet dem Basketball sicher nicht.

Bringen Sie in der Nationalmannschaft Ihre eigenen Ideen mit ein? Wie Sie den Ball haben möchten, oder wie Sie am effektivsten sind?
Zunächst einmal steht im Vordergrund, mein Spiel dem FIBA-Basketball so gut wie möglich anzupassen. Dann spreche ich natürlich oft mit dem Coach. Aber letztlich geht es einfach darum Basketball zu spielen, da ergibt sich das Meiste von selbst.

Was können Sie über Headcoach Bauermann sagen? Auch im Vergleich zu Ihren bisherigen Coaches?
Ich vergleiche Coaches eigentlich nicht. Dirk Bauermann ist ein guter Coach, der den Schwerpunkt auf die Defense legt. Das ist ein großer Unterschied zu den meisten NBA-Coaches, die ihren Fokus eher auf den Angriff legen. Ich würde sagen, dass man merkt, dass Dirk Bauermann lange am College gearbeitet hat. Er ist wie ein College-Coach.

Was denken Sie während der deutschen Nationalhymne?
Ich denke über den Song nach, was sein Inhalt ist. Das ist schwer zu lernen, aber ich versuche es. Ansonsten ist das hier neu für mich, zum Beispiel, dass man dem Gegner vor dem Spiel die Hände schüttelt.

Wie ist denn mittlerweile Ihr Deutsch? Die Physios scheinen gute Lehrer zu sein.
Oh ja, Joppi (Jens Joppich – Anm. d. Red.) und Klaus (Breitung – Anm. d. Red.) bringen mir während der Behandlungen viel bei. Ich kann schon ganz gut auf Deutsch zählen, und einige Redewendungen habe ich auch drauf. Ich möchte unbedingt Deutsch lernen und habe mir ein Computer-Programm besorgt, das einem das Lernen erleichtert. Schließlich möchte ich auch möglichst viel von dem verstehen, was die anderen Jungs so sagen.

Was denken Ihre Freunde in den USA darüber, dass Sie jetzt für die deutsche Nationalmannschaft spielen?
Oh, die freuen sich sehr für mich. Für sie steht momentan im Vordergrund, dass ich bei Olympia dabei bin, das ist eine große Sache. Die Tatsache, dass ich für Deutschland spiele, ist da fast schon nebensächlich.

Wie leben Sie in den USA? Da sind einige Geschichten „auf dem Markt“, stimmen die?
Na ja, ich lebe halt mit drei guten Freunden zusammen in LA in einem Haus am Meer. Die Jungs arbeiten für mich…

Ja, klar…
…das meine ich wirklich ernst. Ich sage ihnen, was sie tun sollen, und sie tun es.. (jetzt lacht er doch ein bisschen…). Es sind sehr gute Freunde von mir, die ich schon sieben, acht Jahre kenne. Außerdem liebe ich Autos und habe mir ein paar gekauft. Ansonsten lebe ich ein NBA-Leben mit viel Herumreisen und so. Und mit Spaß (lacht)

Wie schwierig ist es für Sie, alleine zu sein?
Das ist manchmal schon hart. In Deutschland und in Athen waren ja teilweise meine Freundin und meine Familie dabei, das war angenehm. Im Team kenne ich noch niemanden so gut, dass ich ihm alles anvertrauen würde. Aber generell ist es super, dass hier jeder gut Englisch spricht, und ich keine Probleme habe mich anderen mitzuteilen.

Wie ist die Zusammenarbeit mit den deutschen Medien?
Ich war sehr beeindruckt, wie viele Kameras und Personen bei unserem Olympia-Medientraining und –Fototermin in Bamberg waren. Da gibt es ja ein Riesen-Interesse! In Los Angeles bei unseren Medien-Sessions sind auch nicht mehr Leute dabei. Aber Olympia ist natürlich ein besonderes Thema. Ich persönlich stehe den Medien eigentlich ganz gerne zur Verfügung. Das gehört dazu und macht manchmal sogar Spaß.

Was erwarten Sie von den Olympischen Spielen, persönlich und mit der Mannschaft?
Es ist Basketball, und du weißt nie, was kommt. Wir werden alle unser Bestes geben und schauen, was dabei heraus kommt. Ich hoffe natürlich, dass wir gut spielen werden und ich dazu beitragen kann, dass Deutschland Erfolg hat. Bei Olympia geht es um die Mannschaft und nicht um den Einzelnen. Und da immer so viele Fragen danach gestellt werden: Nein, das Spiel gegen die USA ist für mich nichts Besonderes!

Zwei Fragen nach dem Turnier:

Wie beurteilen Sie die Olympischen Spiele?
Wir haben leider das Viertelfinale verpasst. Das ist schade, denn das hätte den tollen Sommer gekrönt. Ansonsten war es eine großartige Erfahrung, im Olympischen Dorf zu wohnen, Sportler aus aller Welt zu treffen usw.

Dürfen wir Sie auch in den nächsten Jahren im DBB-Team erwarten?
Ich habe mich mit Dirk (Nowitzki) unterhalten, der mir gesagt hat, dass er eine Pause im Nationalteam machen möchte. Wenn er im nächsten Jahr spielt, bin ich ganz sicher auch dabei. Wenn nicht, muss ich erst gründlich darüber nachdenken und mit Coach Bauermann darüber sprechen.

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