Interview Christopher McNaughton

An dieser Stelle präsentieren wir Ihnen Interviews, die mit den jeweiligen Spielern im DBB-Journal erschienen sind. Die können durchaus schon etwas älter sein, haben aber nach Meinung der Redaktion kaum etwas von Ihrem Reiz verloren.

Christopher McNaughton, DBB-Journal Nr. 17 vom Oktober 2010

Er ist 2,11 Meter lang und ein ruhiger Vertreter seiner Zunft. Im vergangenen Sommer war er zum zweiten Mal im Kreis der A-Nationalmannschaft dabei und schaffte den Sprung in den Kader für die Weltmeisterschaft in der Türkei. Das Wort „solide“ passt perfekt zu seinem Spiel. Er ist ein Spieler, auf den sich der Trainer verlassen kann und der nicht viel Aufheben um seine Person macht.

Trotz seiner guten Vorstellungen im DBB-Dress und einer ordentlichen Saison im Trikot der BG Göttingen dürfte Nationalspieler Christopher McNaughton, der bei der WM durchschnittlich 14 Minuten pro Spiel zum Einsatz kam und für 5,4 Punkte und 2,6 Rebounds im Schnitt gut war und der in der neuen Saison für die EWE Baskets Oldenburg am Ball ist , den wenigsten Basketball-Fans in Deutschland näher bekannt sein. Ein Grund mehr für uns, ihn im DBB-Journal vorzustellen.

Sie haben für einen gebürtigen Franken (Nürnberg – Anm. d. Red.) einen eher ungewöhnlichen Nachnamen. Woher kommt er?
Mein Vater ist damals mit der US Army in Nürnberg stationiert gewesen, hat dort meine Mutter kennen gelernt und ist seitdem in Deutschland geblieben. Ursprünglich kommt der Name McNaughton aus Schottland, aber das geht schon etwas weiter zurück.

Wie und wo sind Sie zum Basketball gekommen?
Eigentlich bin ich ja auch Fußballer. Da ich aber immer schon ein Stück größer war als meine Mitschüler, hat mich ein Freund so lange bearbeitet, bis ich mit 14 Jahren mal mit zur Basketball-Schulmannschaft gekommen bin. Dann bin ich dabei geblieben und habe zunächst beim TSV 1860 Ansbach und dann drei Jahre beim TSV Breitengüßbach gespielt.

Wie kam es dann dazu, dass Sie in die USA zum College gegangen sind?
Ich wollte nach dem Abi studieren und Basketball spielen. Da bot sich relativ schnell ein Studium in den USA an. Mein Agent Patrick King hat dann einige Kontakte hergestellt, und ich habe mich schließlich für Bucknell entschieden, weil ich dort neben dem Basketball auch auf hohem Niveau Elektroingenieurwesen studieren konnte. Es war mir immer wichtig, mit dem Studium auch später mal etwas anfangen zu können. Sonst hätte ich auch in Deutschland bleiben können.

Wie wichtig ist Ihnen rückwirkend Ihre Zeit auf dem College, sowohl in Sachen Basketball, Studium als auch privat?
Im Basketball war es eine unglaubliche Erfahrung. Wir waren im NCAA-Tournament (der Höhepunkt des alljährlichen College-Basketballs in den USA mit den besten 64 Mannschaften – Anm. d. Red.), ich habe in Duke und Michigan State gespielt, tolle Arenen mit tausenden von Studenten als Zuschauer. Das ist schon einmalig. Privat steht natürlich an erster Stelle, dass ich an der Uni meine Frau Ashley kennengelernt habe, sie war im gleichen Jahrgang wie ich. Das war dann schon richtungsweisend (lacht).

Warum hat der „Durchbruch“ so lange auf sich warten lassen? (McNaughton spielte zwei Jahre lang in Spaniens zweiter und dritter Liga – Anm. d. Red.)
In Spanien ist es zunächst unglücklich gelaufen. Die zweite Liga dort (LEB Oro – Anm. d. Red.) ist sehr stark, aber wir hatten einen frühen Trainerwechsel, der dann auch mich betraf. Auch die dritte Liga hatte noch ein gutes Niveau mit ordentlichem Gehalt. Außerdem habe ich gut gespielt und mich dort wohlgefühlt.

Wie kam es dann zum Engagement in Göttingen?
Coach John Patrick hatte schon früher Interesse bekundet und offenbar ein gutes Gefühl damit mich zu verpflichten. Er ist ja bekannt dafür, Spielern eine Chance zu geben. Das rechne ich ihm hoch an. Ich habe ihm viel zu verdanken, aber ich habe auch eine ganz gute Saison gehabt.

Glauben Sie, dass Sie einer derjenigen sind, die jetzt von der Quotenregel profitieren?
Das kann man natürlich nicht ganz von der Hand weisen. Ich hoffe aber, dass ich nicht nur deshalb einen Vertrag in Oldenburg bekommen habe (lacht). Es ist halt wichtig, dass man auch den nächsten Schritt macht und zeigt, was man drauf hat, so wie Heiko (Schaffartzik – Anm. d. Red.) zuletzt. Es reicht natürlich nicht, einfach nur Deutscher zu sein. Die Regelung ist aber für die jungen Spieler ganz wichtig, um überhaupt in der Beko BBL eine Chance zu bekommen.

Sie waren 2006 bereits einmal mit im Trainingslager des A-Kaders auf Mallorca. Haben Sie daran geglaubt, dass Sie noch einmal nominiert werden?
Ja, natürlich, aber in Spanien war das erst einmal weit weg. Nach meinem guten Jahr in Göttingen, auch im Europapokal, habe ich mir schon Hoffnungen gemacht nominiert zu werden. Es ist eine große Ehre für mich für Deutschland zu spielen.

Wie kam es zum Kontakt zum Bundestrainer vor dem Sommer 2010?
Wir hatten immer mal wieder losen Kontakt, besonders, als ich dann wieder in Deutschland präsent war. Da ist er dann wohl auf mich aufmerksam geworden (schmunzelt).

Im Laufe des Sommers sind immer wieder Spieler aus dem Kader aussortiert worden. Was war das für ein Gefühl, bis zur endgültigen Nominierung des WM-Kaders zittern zu müssen.
Ich habe versucht das auszuklammern, denn mir war klar, dass ich einer der Streichkandidaten sein könnte. Das hat schon etwas Druck gemacht, aber ich konnte das ganz gut in positive Leistung umwandeln. Ich habe jeden Cut als Verlust für die ganze Mannschaft empfunden, aber das gehört nun einmal leider dazu.

Wie war die Zeit bei der Nationalmannschaft im Sommer 2010 für Sie? Was ist hängen geblieben? Was war besonders schön, was besonders negativ?
Alles in allem kann ich eigentlich nur Positives sagen. Außer natürlich, dass wir die WM-Vorrunde nicht überstanden haben. Aber der absolute Höhepunkt war die Mannschaft an sich, der Zusammenhalt, der Spaß, die tolle Team-Chemie. Das habe ich noch nirgendwo anders so intensiv erlebt. Außerdem werde ich das Spiel gegen Serbien (82:81 nach zwei Verlängerungen – Anm. d. Red.) sich nicht so schnell vergessen.

Sie scheint nichts aus der Ruhe bringen zu können, bei der WM schienen Sie keine Angst vor großen Namen zu haben, sondern haben Ihren Stiefel runter gespielt. Sind Sie wirklich so gelassen, oder wirkt das nur so?
Die WM war schon eine große Bühne. Ich war nervös, konnte das aber einigermaßen unter Kontrolle halten. Ich habe mich bemüht, nicht darüber nachzudenken, wer auf der anderen Seite steht, sondern mein Ding durchzuziehen. Das habe ich ganz gut hinbekommen.

Sie sind also mit Ihren Leistungen im Nationaltrikot zufrieden?
Ja, im Großen und Ganzen würde ich das schon so sagen. Klar hätte ich gerne noch mehr zu einem Weiterkommen geholfen, aber es ist nun einmal so gekommen.

Haben Sie Angst, im nächsten Jahr wieder ins zweite Glied zu rücken, wenn Dirk Nowitzki und Chris Kaman und vielleicht auch Patrick Femerling und Sven Schultze ins Team zurückkehren sollten?
Im Moment mache ich mir darüber überhaupt keine Gedanken. Jetzt zählt erst einmal eine gute Saison hier in Oldenburg. Danach schaue ich weiter und greife gerne auch wieder in der Nationalmannschaft an. Ich bin aber realistisch genug zu wissen, dass es schwierig für mich wird, wenn Dirk und Chris wieder mit dabei sind. Aber im Moment beeinflusst mich das in keinster Weise.

Wie sehen Sie Ihre weitere Basketball-Karriere? Was haben Sie sich vorgenommen?
Ich freue mich sehr auf die zwei Jahre in Oldenburg und bin sehr gespannt, was wir erreichen können. Auch die internationalen Erfahrungen werden mich sicher weiter bringen. Ich werde mich immer geehrt fühlen, wenn ich bei der Nationalmannschaft dabei sein darf, könnte es aber auch akzeptieren, wenn das Konzept mit den jungen Spielern weiter durchgezogen wird.

Und was hast Du für Pläne und Vorstellungen nach Deiner Basketball-Karriere?
Konkrete Vorstellungen habe ich noch keine. Ich könnte mir aber vorstellen, dass ich noch einen Master auf mein Studium draufsetze und dann als Ingenieur arbeite. Das wäre die Variante weg vom Basketball. Ausschließen möchte ich aber auch nicht, dass ich dem Basketball verbunden bleibe und irgendwo Trainer werde. Wir werden sehen.

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