Interview Dirk Nowitzki

An dieser Stelle präsentieren wir Ihnen Interviews, die mit den jeweiligen Spielern im DBB-Journal erschienen sind. Die können durchaus schon etwas älter sein, haben aber nach Meinung der Redaktion kaum etwas von Ihrem Reiz verloren.

Dirk Nowitzki, DBB-Journal Nr. 20 vom April 2011

„Wie heißt der Lange doch gleich?“

Es ging heiter zu in Dallas beim Videodreh für den Film, den der Deutsche Basketball Bund und der Französische Basketball-Verband derzeit anlässlich der gemeinsamen Bewerbung um die Herren-Europameisterschaft 2015 erstellen lassen. „Hey, bist Du dann nicht schon über 40?“, begrüßte Frankreichs NBA-Star Tony Parker sein deutsches Pendant Dirk Nowitzki bei den Dreharbeiten, die im Vorfeld des Topspiels Dallas Mavericks gegen die San Antonio Spurs anstanden. Dass eben jener Parker wenige Stunden später mit 34 Punkten hauptverantwortlich für die 91:97-Schlappe der Mavs zeichnen sollte, stand da noch nicht zur Debatte…

Das DBB-Journal nutzte die Gelegenheit, sich mit Dirk Nowitzki über die Dreharbeiten hinaus zu einem kurzen Interview zu treffen. Kein leichtes Unterfangen bei drei Mavs-Spielen in fünf Tagen, aber der Würzburger zeigte sich schließlich ganz unkompliziert, richtete vorab Grüße an ganz Basketball-Deutschland aus und warf nach den Fragen auch interessierte Blicke in das DBB-Journal.

Es wird extrem viel über den drohenden Lockout geschrieben…Keine Angst, wir fragen jetzt NICHT, ob Sie in die BBL wechseln! Wie sehr beschäftigen Sie sich damit, auch vor dem Hintergrund, dass sich hier in Dallas mit den Mitarbeitern einiges ändern würde?
Das ist schon eine bittere Situation, nicht zu wissen, was kommt in der Zukunft. Ich habe ja schon einmal einen  Lockout mitgemacht in meiner ersten Saison. Das ist echt komisch, aber das Gute für mich damals war, dass ich noch keinen Vertrag unterschrieben hatte. Deswegen konnte ich zuhause in Würzburg erste Liga spielen und dort trainieren und wohnen. Ich weiß noch, wie ich jeden Tag im Videotext auf CNN nachgeschaut habe, ob sich in der NBA etwas tut. Als es dann im Februar so weit war, ist mir das Herz erst einmal ganz schön in die Hose gerutscht. Man muss abwarten, was jetzt passiert. Innerhalb von einem Tag, innerhalb von einem Meeting kann sich alles ändern, aber im Moment sieht es nicht gut aus. Alle hier machen sich Sorgen, wir sind ja wie eine große Familie mit mehr als hundert Leuten. Eigentlich habe ich gedacht, dass man während des Lockouts nirgendwo anders spielen darf, wenn man einen Vertrag hat. Jetzt habe ich aber gehört, dass es Vertragsbruch ist, wenn man nicht bezahlt wird, und dass man durchaus woanders spielen darf. Ich habe hier schon klar gemacht, dass ich zu alt bin, um ein Jahr lang gar nichts zu machen. Wenn wirklich die gesamte Saison ausfällt, kann ich nicht ein Jahr lang rumsitzen, dann möchte ich schon irgendwo auflaufen. Das muss ich dann im Sommer genau analysieren.

Sie haben die Nationalmannschaft in den letzten beiden Jahren verfolgt, es hat ein Umbruch stattgefunden. Welche Spieler haben Sie besonders im Auge?
Wie heißt der Lange doch gleich? Tibor Pleiß, genau, der hat doch eine große Zukunft. Er ist lang, bewegt sich gut, spielt jetzt eine gute Saison in Bamberg, hat einen guten Touch. Ich hoffe mal, dass er jetzt den nächsten Schritt gemacht hat. Das Durchsetzungsvermögen war noch sein Problem, als ich ihn zuletzt gesehen habe. Heiko (Schaffartzik – Anm. d. Red.) hat zuletzt in der Nationalmannschaft super Verantwortung übernommen, wichtige Schüsse genommen und getroffen. Das hat mir Spaß gemacht ihm zuzuschauen. Hier verfolge ich den Elias (Harris – Anm. d. Red.) etwas am College (zur Zeit des Interviews ging die College-Meisterschaft, „March Madness“, in den USA in die entscheidende Phase – Anm. d. Red.), der zeigt gute Spiele. Wir haben gute junge Leute, und zuletzt hat uns nur die Abgeklärtheit gefehlt. So ein Spiel wie bei der WM gegen Angola darfst Du nicht verlieren. Das habe ich mir zuhause angeschaut. Da kam wirklich alles zusammen mit dummen Fouls, schlechten Pässen, Dreiern der Angolaner mit Brett undsoweiter. Aber ich glaube, dass in der Mannschaft eine Menge Potenzial drin steckt.

Wie weit haben Sie sich in den vergangenen fast drei Jahren, in denen Sie nich für Deutschland gespielt haben, von der Nationalmannschaft entfernt? Glauben Sie, dass die Anpassung in diesem Sommer schwieriger fallen wird als noch 2008?
Das glaube ich eigentlich nicht, weil ich nicht so der Spieler bin, der das Spiel einer Mannschaft total umstellt. Ich spiele immer mit der Mannschaft, würde nicht sagen, dass ich ein eigensinniger Spieler bin, versuche immer reinzupassen und kann mir nicht vorstellen, dass es da Probleme gibt.

Was kann eine deutsche Nationalmannschaft mit Ihnen und mit Chris Kaman bei der EM in Litauen erreichen?
Mit Chris muss man sicher ein bisschen abwägen mit seiner langen Verletzung. Ich habe jetzt gehört, dass er sich vielleicht sogar operieren lassen will. Er hat wie auch ich früher kleine, freie Knochenstücke im Fußgelenk, und wenn die gegeneinander knallen, dann muss er wieder aussetzen, Deshalb ist meine letzte Info, dass er sich die rausnehmen lassen will. Heiß ist er, aber ob ihn die Clippers spielen lassen oder der Lockout Einfluss hat, kann man jetzt noch nicht sagen. Es ist Einiges drin für uns. Wir haben ja damals guten Basketball gespielt mit Chris und mir. Steffen ist noch dabei, und dann die ganzen jungen Spieler … das Potenzial ist da. Aber es war ja immer so, dass alle Nationen ihre besten Teams aufbieten, wenn es um die Olympiaqualifikation geht. Das wir mit Sicherheit ganz, ganz schwer.

Was sagen Sie zur aktuellen Diskussion um die Doppelfunktion von Bundestrainer Dirk Bauermann?
Ich fände es schon gut, wenn der Bundestrainer während der gesamten Saison aktiv trainiert und seine coaching skills pflegt und nicht einrostet. Von daher finde ich es gar nicht schlecht, wenn der Bundestrainer während des Jahres ein Vereinsteam trainiert und nicht nur rumtourt und nichts mit einer Mannschaft macht.

Beenden Sie bitte folgende Sätze:

-       Die Olympischen Spiele in London 2012 sind …
… hoffentlich ein machbares Ziel, weil Peking ein so riesiges Erlebnis war, dass ich nie vergessen werde und mir und vor allem den jungen Spielern noch einmal ermöglichen möchte.

-       Die letzten beiden Sommer ohne Nationalmannschaftsspiele waren….
… mal relaxend nach vielen Jahren, ich bin viel gereist, war in Afrika und in Malaysia, aber jetzt freue ich mich dann auch wieder mit dabei zu sein.

-       Beim BEKO Supercup 2011 in Bamberg ….
… würde ich mich freuen, mal wieder in der Heimat zu spielen, der Supercup ist ja auch immer ein tolles Turnier, bei dem es Spaß macht zu spielen.

 

 

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