Interview Jan Hendrik Jagla

An dieser Stelle präsentieren wir Ihnen Interviews, die mit den jeweiligen Spielern im DBB-Journal erschienen sind. Die können durchaus schon etwas älter sein, haben aber nach Meinung der Redaktion kaum etwas von Ihrem Reiz verloren.

Jan Jagla, DBB-Journal Nr. 3 vom Juni 2008

Jan Jagla kommt mir gut gelaunt entgegen; dazu hat er auch allen Grund. In der vergangenen Saison hat er mit dem spanischen Erstligisten DKV Joventut Badalona den Pokal der spanischen Liga gewonnen und in der Liga ist sein Team um den Superstar Ricky Rubio nur knapp im Halbfinale gescheitert. In der Nationalmannschaft hat er im vergangenen Sommer auch den letzten Kritikern bewiesen, dass er ein fester Bestandteil des DBB-Teams ist. Im DBB-Journal spricht Jan Jagla über seine Ziele mit der Nationalmannschaft und die Rolle, die er dabei spielen will.

Jan, Du hast in der gerade abgelaufenen Saison viel mehr Spielzeit bekommen und Deine Statistiken in allen Bereichen verbessern können: Bist Du in der spanischen Liga angekommen?
Ja, auf jeden Fall. Die spanische Liga ist noch einmal anders als die in der Türkei, wo ich ja in der letzten Saison gespielt habe. Die spanische Liga ist doch um Einiges stärker. Meine Spielzeit ist eher gleich geblieben, aber die Herausforderung war größer. Ich habe mich aber auf jeden Fall in der Mannschaft und in der Liga gut eingelebt.

Wie kräftezehrend war die Saison mit Badalona für Dich – im Hinblick auf die schwierigen Aufgaben, die im Sommer noch auf Dich mit der Nationalmannschaft zukommen?
Ja, das war schon anstrengend. Wir haben ja den ULEB-Cup gewonnen, also da auch bis zum Ende gespielt und in der Liga auch bis zum Halbfinale. Ich glaube, wir haben schon die meisten Spiele gemacht, die man so machen kann. Am Ende hat man das dann auch gesehen, als wir im Halbfinale gegen Barcelona müde waren. Dann kamen noch Verletzungen hinzu oder solche, die man nicht auskurieren konnte und angeschlagen spielen musste. Jetzt gerade versuche ich ein bisschen auszuspannen und die Balance zu finden.

Das wäre jetzt meine nächste Frage gewesen: wie bereitest Du Dich auf die Saison mit der Nationalmannschaft vor?
Komplett abschalten und nicht trainieren kann ich glaube ich gar nicht. Ich glaube, die längste Zeit, in der ich nicht trainiert habe, waren drei Wochen. Auch jetzt habe ich keine wirklich Pause gemacht, sondern weiterhin Krafttraining und laufen. Jetzt fahre ich nochmal eine Woche in den Urlaub, aber da werde ich auch laufen gehen und weiter meine Kraftübungen machen. Dann werde ich noch ein bis zwei Wochen komplett Basketballtraining machen.

Seit wann bist Du wieder in Deutschland und wie sieht Deine Vorbereitung aus: individuell oder mit Deinem alten Team hier in Berlin?
Nach Saisonende war ich noch ein paar Tage in Barcelona. Dort habe ich dann mit unserem Trainer noch leichtes Training gemacht. Jetzt bin ich wieder hier in Berlin und trainiere alleine, was ja bei Krafttraining und laufen ganz gut geht.

Bei der EM letztes Jahr in Spanien warst Du DIE Entdeckung der Nationalmannschaft: wie beurteilst Du das Turnier und Deine Leistungen selber?
Das Turnier war im Großen und Ganzen okay, denke ich. Das Ziel was wir ursprünglich hatten, die Olympiade zu erreichen, haben wir zwar verpasst, aber die Chancen bestehen nach wie vor. Das ist die Hauptsache. Gut, für mich selber – die Leute tun immer so als ob das so überraschend kam. Für mich war das eigentlich nicht so. Ich war schon immer ein guter Basketballer und habe mich weiterentwickelt. In dem Jahr habe ich eben die Chance bekommen und der Bundestrainer hat gesagt, dass auf mich setzt. Sven Schulze war verletzt und so bin ich in die Rotation gekommen. Also für mich war es keine Überraschung, dass ich dann auch gut gespielt habe. Ich hatte vorher eine Riesen-Saison in der Türkei; davor war ich in der 2. Spanischen Liga, die auch ein sehr hohes Niveau hat und habe mich dort bewiesen.

Was erwartest Du von dem Sommer mit der Nationalmannschaft; für Dich persönlich und das Team?
Für die Mannschaft muss ganz klar das Ziel Olympia sein. Ich weiß nicht, ob in den nächsten Jahren die Chancen noch einmal so gut für Deutschland stehen werden, bei Olympia teilzunehmen. Ich denke schon, dass wir in den nächsten Jahren gut mitspielen werden, aber dass es bis zu den Olympischen Spielen reicht – das wird schwierig. Von daher muss das absolute Ziel Olympia sein, egal wie sehr man sich dafür aufopfern muss. Wenn wir uns für die Olympischen Spiele qualifiziert haben, dann muss man sehen, was man daraus macht. Für mich selber will ich so weiterspielen, wie ich im letzten Jahr gespielt habe. Ich will versuchen, meine Rolle weiter auszubauen und dem Team so zu helfen. Es hängt auch viel davon ab, wie fit die anderen alle sind. Teilweise spielen die ja eine ziemlich lange Saison, wie Patrick (Femerling) zum Beispiel mit ALBA Berlin. Danach haben sie ja auch fast gar keine Regenerationszeit. So eine Planung wäre in Spanien nie passiert. Da wurde die Saison extra verkürzt, weil die Spanier unbedingt bei Olympia Gold holen wollen. Dann wurde kurzerhand gesagt, dass man nur im Finale „Best of Five“ spielt und davor eben „Best of three“, weil sich so die Spieler ausruhen konnten. In Deutschland scheint das egal zu sein und das ist natürlich sehr schade.

Kommen wir auf das vorolympische Qualifikationsturnier zu sprechen. Hast Du Dich schon ein bisschen über die potentiellen Gegner informiert – wer zum Bespiel im Viertelfinale drohen könnte? Wenn ihr Gruppenerster werdet wahrscheinlich Brasilien, wenn nicht…
(unterbricht) Gruppenzweiter zu werden, steht nicht zur Debatte! Die Kapverdischen Inseln und Neuseeland sollten wir schon schlagen. Dann wird es wahrscheinlich Brasilien. Da habe ich schon geguckt und muss sagen, dass die auch ein sehr gutes Team haben. Die haben auch einige NBA-Spieler und somit eine sehr, sehr starke Mannschaft. Das wird keine leichte Aufgabe. Aber da weiß man natürlich auch nicht, wer von den Spielern wirklich beim vorolympischen Qualifikationsturnier mitspielt und wie fit die dann auch sind. Es ist aber alles in allem machbar. Klar wird es schwer, aber es ist machbar und

Wie schätzt Du die Chancen ein, die Qualifikation zu den Olympischen Spielen zu schaffen? Was muss sich im Vergleich zu der EM in Spanien ändern?
Wir müssen die Höhen und Tiefen abstellen. Ich will unserem Coach da überhaupt nicht reinreden, aber vielleicht muss man auch eine größere Rotation spielen und zusehen, dass man mit einer breiteren Masse an Spielern bestimmte Spiele gewinnt. Aber das ist natürlich auch schwer. Wir haben auf der einen Seite sehr erfahrene Spieler und solche, die nicht so viel Erfahrung haben. Aber am Ende des Tages müssen wir die wichtigen Spiele gewinnen und dafür müssen wir einfach alles geben.

Welche Rolle kann dabei Chris Kaman spielen?
Chris ist ein super Typ. Ich kenne ihn ja ganz gut, weil wir zusammen bei den Clippers ein Camp gemacht haben. Also erstmal ist er ein super netter Kerl, der auch sicherlich gut ins Team reinpassen würde. Mit dem würden sich auch alle gut verstehen. Er braucht er sicherlich keine Extrawürste oder so. Er will da glaub e ich genau so hinkommen und genau so spielen, wie jeder andere auch. Natürlich kann er uns sehr helfen. Chris ist ein super Spieler und hat gerade eine starke Saison hinter sich gebracht. Vor allem unterm Korb hat er eine unglaubliche Präsenz und kann Rebounds holen und in der Zone punkten. Das würde uns schon mal eine ganz andere Dimension geben. Aber es natürlich auch immer die Frage, ob man so etwas machen will. Ich meine, Deutscher ist er letzten Endes nicht. Es ist dann die Frage, ob das das richtige Zeichen für die Zukunft ist, dass man jemanden, der nicht deutsch ist, die Sprache nicht spricht und vielleicht noch nie in dem Land war, in die deutsche Nationalmannschaft beruft. Ich meine Chris ist ein netter Kerl, er würde uns sicher sehr helfen und ich würde mich auch freuen, wenn er dabei ist. Russland hat es ja auch gemacht und das hat auch gut geklappt, also warum sollte man es nicht machen?

Siehst Du den Plan seiner Einbürgerung kritisch, gerade weil es ja auch um Deine Position/Deine Kompetenz geht?
Chris ist schon ein anderer Spieler als ich. Klar würde es dann innerhalb der Mannschaft auch zu einem gewissen Konkurrenzkampf führen. Aber wenn er uns am Ende hilft, zu Olympia zu kommen, muss man als Mannschaft da vielleicht auch ein bisschen zurückstecken.

Der Kapitän der Nationalmannschaft Patrick Femerling hat angekündigt, diesen Sommer gegebenenfalls aus der Nationalmannschaft zurückzutreten und Platz für die jüngere Generation zu machen. Vor ein paar Wochen hat er dann gesagt, er würde weiter machen „so lange es keinen Besseren gibt“: bist Du bereit, in seine Fußstapfen zu treten?
Patrick ist da schon ein anderer Spieler, der nur auf der Fünf nah am Korb agiert. Wir sind da schon zwei unterschiedliche Spielertypen und da will ich mich auch nicht mit ihm vergleichen. Ich spiele lieber mal außen und mal innen, so dass ich von außen auch mal einen einschenke – wie Nowitzki. Und wenn Dirk jetzt wirklich nach dem Sommer aufhören wird, dann werde ich wohl eher die Rolle von Dirk übernehmen, als die von Patrick. Auf der Centerposition brauchen wir dann aber auch einen starken Center. Da haben wir aber auch ein paar gute Spieler, die in den nächsten Jahren kommen werden. Zum Beispiel Chris McNaughton, aber auch andere. Die haben natürlich noch nicht so viel Erfahrung. Patrick spielt ja seit Jahrzehnten Nationalmannschaft und sonst auch in den besten Liegen Europas. Da müssen wir einfach gucken, dass wir da gute junge Deutsche Spieler langsam heranführen. Wir gesagt, gerade Chris McNaughton hat mir diese Saison gut gefallen. Klar, er muss sich jetzt noch hocharbeiten und beweisen in der spanischen Liga, aber da sind auf jeden Fall gute Ansätze da. Er ist auf jeden Fall für mich einer der Spieler, die auch in Zukunft die Rolle von Patrick übernehmen können. Tim Ohlbrecht hat da auch sehr viel Potential, aber er ist auch sehr jung und muss noch weiter Erfahrungen sammeln.

Joe Herber hat im DBB-Journal Nr. 2 Deinen Namen in Verbindung mit den Leadern der verjüngten Nationalmannschaft genannt. Macht Dich das stolz oder überwiegt der Respekt vor der Verantwortung?
Nein, ich denke schon, dass ich da in die Verantwortung gezogen werde und dafür bin auch auf jeden Fall bereit. Ich habe in den letzten Jahren gute Spiele gemacht und auch gezeigt, dass ich eine Leader Rolle innerhalb der Mannschaft übernehmen kann. Ich denke schon, dass das mit Joe (Herber) meine Aufgabe sein wird. Er hat ja letztes Jahr auch super gespielt. Natürlich ist es jetzt echt traurig mit seiner Verletzung, gerade wo er soviel Selbstbewusstsein aus dem Sommer mit der Nationalmannschaft mitgenommen hat. Ich bin mir auch sicher, dass ALBA dann im ULEB-Cup eine bessere Rolle gespielt hätte, wenn Joe dabei gewesen wäre. Ich denke, dass Joe auch auf jeden Fall in diese Führungsrolle rein muss. Ich selber bin da auf jeden Fall auch bereit für. Ganz klar!

DBB-Bundestrainer hat für den Auftaktlehrgang auf Mallorca und für die ersten beiden Länderspiele gleich sechs Neulinge nominiert: Zwiener, de Mello, Ohlbrecht, Geib, Idbihi und Wysocki. Wer von ihnen hat Deiner Meinung nach die größten Chancen, den finalen 12er-Kader zu erreichen?
Viele dieser Spieler kann ich nicht beurteilen. Soviel bekomme ich aus der BBL auch nicht mit. Aber ich freue mich darauf, sie alle im Sommer zu sehen.

Bundestrainer Dirk Bauermann wird ab jetzt nicht mehr in Bamberg als Headcoach aktiv sein, sondern sich komplett der Nationalmannschaft widmen. Wie wichtig ist dieser Schritt für den Basketball in Deinen Augen?
Ich finde es schon sehr wichtig, dass es einen Coach gibt, der sich um Deutschland kümmert. Also komplett das Konzept von der Jugend an entwickelt. Das finde ich sehr gut. Jetzt hat er auch viel mehr Zeit dafür, die er die letzten Jahre nicht hatte, weil die Saison mit Bamberg in der BBL auch Zeit gekostet hat. Ich glaube, dass es schon sehr viel bringt für den deutschen Basketball. Wie ich ihn kennen gelernt habe, könnte ich mir aber schon vorstellen, dass es ihm fehlt, wenn er nicht jedes Wochenende an der Seitenlinie steht. Aber mit dem Job beim DBB hat Dirk natürlich auch mehr Zeit und kann die einzelnen Spieler vor Ort beurteilen; mal hier hin fahren, mal dahin fahren. Um da einfach genau zu gucken, was die Leute machen und wer vielleicht welche Rolle übernehmen kann.

Was löst das Stichwort ‚Olympia’ für Assoziationen bei Dir aus?
Bei Olympia denke ich an alles zusammen, das ganze Packet. Klar, man kann denken, dabei sein ist alles. Dann fahren wir dahin, gucken uns das 100 Meter Finale der Herren an – nein, Spaß beiseite. Das wird sicher eine ganz tolle Erfahrung, im Olympischen Dorf zu wohnen, mit all den anderen Athleten zusammen. Das ganze Drumherum muss einfach der Wahnsinn sein! Für einen Sportler ist es riesig, später einmal sagen zu können „Ich war bei den Olympischen Spielen“ – das kann man nicht bezahlen. Das ist einfach ein Traum.

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