Interview Johannes Herber

An dieser Stelle präsentieren wir Ihnen Interviews, die mit den jeweiligen Spielern im DBB-Journal erschienen sind. Die können durchaus schon etwas älter sein, haben aber nach Meinung der Redaktion kaum etwas von Ihrem Reiz verloren

Johannes Herber, DBB-Journal Nr. 2 vom April 2008

„Da ist noch viel Raum für Verbesserungen“

Johannes Herber ist mehrfacher deutscher Basketball-Nationalspieler und ging von 2006 bis 2010 für ALBA Berlin auf Korbjagd. Anfang Oktober 2007 zog sich Herber im Training einen Kreuzbandriss zu. Joe trat mit einem Schlag ins Rampenlicht, als er die deutsche Nationalmannschaft bei der EM 2007 in Spanien im entscheidenden Spiel gegen Italien mit einer erstklassigen Vorstellung (15 Punkte von der Bank) vor dem Ausscheiden bewahrte.
Zuvor war er zwar als wichtiger Rollenspieler geachtet worden, aber eher unauffällig geblieben. Dementsprechend groß waren seine Vorsätze für die neue Saison bei ALBA Berlin und umso härter der Rückschlag durch seine Verletzung. Christoph Büker hat Joe Herber in Berlin besucht und mit ihm nicht nur über Basketball gesprochen.

Zunächst einmal das Wichtigste: wie geht es Ihnen?
Mir geht es gut. Es sind jetzt fünfeinhalb Monate vergangen seit der OP, und der Heilungsverlauf ist ganz normal fortgeschritten. Ich hoffe, dass ich bald wieder spielen kann. Und abgesehen vom Basketball geht es mir auch gut.

Können Sie sich noch an die Verletzung erinnern? Haben Sie geahnt, wie schlimm es ist?
Nee, eigentlich nicht. Den Hergang kann ich nur noch schwer beschreiben. Ich habe so einen Schritt gemacht, wollte mich drehen, es war so eine pick-and-roll-Situation. Ich habe nur gespürt, dass sich mein Knie in eine andere Richtung gedreht hat als der Rest meines Körpers und dass ich dann auf dem Boden lag. Aber das Komische war dann, dass ich keine großen Schmerzen hatte, nur eine Schwellung. Deshalb haben wir auch am Anfang angenommen, dass es nichts so Schlimmes ist, auch weil dieser Schubladentest nicht angeschlagen hat. Deswegen war es dann schon sehr bitter, als ich erfahren habe, dass es ein Kreuzbandriss ist.

Wann dürfen wir mit Ihrem Comeback rechnen? Wie viel Prozent fehlt noch zum Joe Herber vor der Verletzung?
Das Comeback wird stattfinden, bevor die volle Prozentzahl erreicht ist. Ich hoffe, dass ich Ende April wieder spielen kann, beim TOP 4. Bis ich wieder in Topform bin, körperlich, bis ich meine Explosivität und Spritzigkeit wieder habe, das wird wohl noch eine Weile dauern. Aber ich hoffe, dass ich dann im Sommer spätestens wieder hundertprozentig fit bin.

Was erwarten Sie von Ihrem Comeback? Eine Art Jokerrolle in den Playoffs?
Ich würde mich natürlich freuen und träume ein bisschen davon, dass ich in den Playoffs noch meinen Beitrag leisten kann. Allerdings muss man realistisch sein und sehen, dass ich ja eigentlich die gesamte Saison nicht gespielt habe, keine Spielpraxis habe und dass es in manchen Situationen ja auch für den Trainer schwierig ist, so spät in der Saison noch jemanden zu integrieren. Ansonsten ist natürlich der Sommer das große Ziel, da will ich bereit sein.

Wie ist die Reha insgesamt verlaufen? Wie gehen Sie mit Rückschlägen um? Sind Sie in dieser Beziehung eher ein positiver Typ oder ungeduldig etc.
Ich würde mich eigentlich als positiven Menschen beschreiben. Am Anfang war es schon ein ziemlicher Schlag, diese Perspektive, sechs Monate draußen zu sein und irgendwie alles, was man sich als Ziel für die Saison gesetzt hat, ist über den Haufen geworfen. Aber das habe ich relativ schnell überwunden, mich in die Reha gestürzt und dann da versucht, mein Bestes zu geben und mich von Meilenstein zu Meilenstein zu hangeln. Das heißt erst verliert man die Krücken, dann kann man wieder Treppen laufen, dann geht man aufs Fahrrad, dann fängt man an zu joggen, dann geht man das erste Mal wieder in die Halle, steigt wieder ins Mannschaftstraining ein. Das macht es einfacher, als wenn man immer das große Ziel am Ende im Auge hat.

Sie sind noch nicht sehr lange Profi, da Sie ja vier Jahre am College absolviert haben. In dieser kurzen Zeit haben Sie aber bereits sehr viele Facetten einer kompletten Karriere mitgemacht: Sie waren .Bankdrücker., Starter mit 30 Minuten Spielzeit, das alles im Wechsel, und haben jetzt auch noch eine schwere Verletzung zu überstehen. Wie kommt das alles bei Ihnen an? Zeitraffer?
Ja, vielleicht ein bisschen. Es stimmt, es war eine Fülle von Erfahrungen in den ersten zwei Jahren, aber so ist es halt. Ich nehme das mal als Profileben hin und versuche so gut es geht damit umzugehen. Allerdings fehlen da ja noch die Erfolge, die wir in den zwei Jahren ja noch nicht so wirklich gehabt haben. Ich hoffe, dass es schon dieses Jahr passiert oder dann in den nächsten zwei Jahren, die ich ja sicher hier in Berlin bin. Da ist noch viel Raum für Verbesserungen.

Auf dem Rückweg von der WM in Japan habe ich Sie gefragt, was Sie sich von Berlin und dem Dasein als Profibasketballer erwarten. Damals waren Sie unschlüssig. Wie sieht es jetzt aus? Haben sich Ihre Erwartungen erfüllt? Was gefällt Ihnen, was stört Sie?
Es ist natürlich eine Supersache, dass man seinen Lebensunterhalt mit dem verdient, was man am liebsten tut. Es macht mir nach wie vor viel Spaß, jeden Tag so intensiv zu trainieren. Es ist nicht so, dass ich der Sache müde geworden bin (lacht). Ansonsten kann es schon etwas eintönig werden. Ich finde, man muss aufpassen, dass man sich selbst auch in anderen Bereichen noch fordert oder versucht, noch Kontakt zu anderen Leuten und Aktivitäten zu haben. Das klappt hier eigentlich ganz gut, Berlin ist ja eine tolle Stadt mit einem großen Angebot, das ich so gut es geht zu nutzen versuche.

Sie hatten sich vorgenommen, in Deutschland parallel zur Basketball-Karriere ein weiteres Studium aufzunehmen. Hat das geklappt?
Ich habe in Deutschland leider nichts Adäquates gefunden, was an meinen Bachelor in Politikwissenschaften angeschlossen hätte. Deswegen habe ich mich auf die Suche im Internet begeben, und habe mich jetzt bei einen Master-Fernstudiengang .Internationale Beziehungen. In England eingeschrieben. Da habe ich im Herbst angefangen und mache das jetzt so nebenbei. Das ist dann schon stressig, man ist ja wie die meisten Studenten geneigt, Sachen auf den letzten Drücker zu machen.

Bundestrainer Dirk Bauermann hatbereits kurz nach Ihrer Verletzung gesagt, dass er weiter zu Ihnen hält und dass Sie in seinen Nationalmannschaftsplanungen für das olympische Qualifikationsturnier auf jeden Fall eine Rolle spielen. Das hört sich gut an, oder? Stehen Sie in Kontakt?
Wir sind in Kontakt, haben ein paar Mal telefoniert. Es hat mich auch sehr gefreut, dass er weiterhin mit mir rechnet und ich hoffe, dass ich das Vertrauen zurückgeben und mich fit machen kann, damit ich dann auch eine gute Leistung bringe im Sommer.

Zuletzt waren Sie immer der jüngste Nationalspieler. Künftig sind Sie dann nach dem Abschied der Generation Femerling, Okulaja und Nowitzki auf einen Schlag einer der Erfahrensten. Was halten Sie von diesem Rollenwechsel?
Ich sehe dem eigentlich positiv entgegen. Vier Jahre Rookie-Dasein war ja auch nicht immer so gut (lacht). Ich glaube, es wird eine interessante neue Phase für die Mannschaft. Erst einmal die neue Findung, und vor allem, wer dann auch zu den nächsten Führungsspielern reifen wird. Ich denke, der Jan (Jagla . Anm. d.Red.) hat auf jeden Fall Potenzial dazu und noch ein paar andere. Ich freue mich darauf.

Wie wichtig ist für Sie persönlich die Position des Bundestrainers?
Es ist sicher wichtig, wer Bundestrainer ist. Neben dem fachlichen Wissen muss er auch eine Person sein, die integrativ ist, mit den Spielern kommuniziert und den Spielern auch andere Sachen vermitteln kann. Das hat Dirk Bauermann bisher immer sehr gut geschafft. Er vermag psychologisch und motivatorisch gut zu arbeiten und deswegen hoffe ich auch, dass er uns erhalten bleibt.

Kommen wir nun zu einer vieldiskutierten Personalie: Chris Kaman. Glauben Sie, der Center mit deutschen Wurzeln kann das DBB-Team nach Peking führen?
Ich kenne ihn vom Namen und habe ein paar Ausschnitte gesehen. Ich denke, er wird uns bestimmt helfen können. Dazu ist aber wichtig, dass er voll aufgenommen ist und weiß, worum es wirklich geht und es für ihn nicht nur so eine Sommerbeschäftigung ist.

Wie sehen Sie denn generell die Chancen, dass sich die deutsche Nationalmannschaft für Peking qualifiziert?
Gut! (lacht). Wir haben schon gute Chancen uns für Olympia zu qualifizieren. Das ist sicherlich keine einfache Aufgabe, denn die anderen drei europäischen Teams sind sehr stark. Das ist dann so eine Tagesformgeschichte, ob man die schlägt oder nicht. Bei den anderen Mannschaften weiß man halt nicht so genau. Mal sehen, wer kommt, wer mitspielt.

Was bedeutet eine Teilnahme an Olympischen Spielen für Sie als Sportler und Mensch?
Für mich wäre es die Erfüllung eines Traums. Ich kann mich noch erinnern, als ich die ersten Olympischen Spiele im Fernsehen gesehen habe, das war 1988, da war ich 5 Jahre alt und es hat mich damals schon in seinen Bann gezogen, das ganze Ereignis. Und dann habe ich die Universiade-Erfahrung gemacht (2003 in Südkorea . Anm. d. Red.), die ich wirklich genossen habe. Bei Olympia dabei zu sein, ist nach wie vor das Größte für einen Athleten.

Dirk Nowitzki hat sich vor kurzem eine Knie- und Knöchelverletzung zugezogen. Nach Ihrer Krankengeschichte eine .Kleinigkeit. Stehen Sie mit ihm in Kontakt und haben ihm ggf. Mut gemacht?
Ich habe ihm eine SMS geschrieben, die hat er heute beantwortet. Ich habe ihm gute Besserung gewünscht. Er hatte mir damals bei meiner Verletzung auch eine SMS geschickt.

Was fällt Ihnen ein, wenn ich Ihnen das Stichwort „Italien“ zurufe?
(lacht) Da kann ich nur grinsen. Es war einfach ein Spiel, in dem viel zusammen gepasst hat für mich, wo ich meine Würfe reingemacht habe und das Glück hatte, in einem entscheidenden Spiel einen guten Tag zu haben. Das sind einfach gute Erinnerungen.

Würden Sie das als eine Art Wendepunkt in Ihrer Karriere bezeichnen?
Ich glaube, ich habe vorher auch schon gute Spiele gemacht, war aber nicht so auffällig. Das ist aber eh´ mein nächster Schritt, den ich gehen muss, dass ich im Angriff aggressiver bin. Das hat in dem Italien-Spiel ganz gut geklappt und meinem Selbstvertrauen sehr geholfen. Aber es ist trotzdem lustig, wie sich die ganze Wahrnehmung in der Öffentlichkeit geändert hat, es war ja wirklich nur ein – wenn auch wichtiges – Spiel, und auf einmal wird man so in den Himmel gehoben, was ja eigentlich Quatsch ist. Da muss man die Kirche im Dorf lassen. Das hat mir wieder gezeigt, wie solche Ereignisse die Wahrnehmung von anderen Leuten verändern können.

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