Interview Konrad Wysocki

An dieser Stelle präsentieren wir Ihnen Interviews, die mit den jeweiligen Spielern im DBB-Journal erschienen sind. Die können durchaus schon etwas älter sein, haben aber nach Meinung der Redaktion kaum etwas von Ihrem Reiz verloren.

Konrad Wysocki, DBB-Journal Nr. 9 vom Juni 2009

„Es gibt noch guten deutschen Basketball“

 

2008 war das Jahr von Konrad Wysocki – Top-Spieler der BBL, Debüt in der Nationalmannschaft, Sprung in die Starting Five im DBB-Team & Olympia. Das, was vielen Spielern in einer gesamten Karriere nicht vergönnt ist, schaffte der Forward binnen eines Jahres. Im Interview mit dem DBB-Journal blickt er trotz des bitteren Ausscheidens im BBL-Halbfinale nach vorne, verrät, was er jungen Spielern rät und bezieht zur Situation des deutschen Basketballs deutlich Stellung.

Wie bewerten Sie die – nun muss man ja sagen – vergangene Saison?
Es war eine recht durchwachsene Saison. Wir hatten Riesen-Potenzial und eine tolle Truppe. Wir haben aber bei Weitem nicht das herausgeholt, was wir uns vorgenommen haben. Persönlich war es für mich auch ein Auf und Ab. Ich habe mir natürlich mehr vorgenommen, mehr vorgestellt und auch mehr erhofft. Aber vielleicht tut es nach den vielen Erfolgen im letzten Jahr auch gar nicht mal so schlecht, einen kleinen Dämpfer zu kriegen. Dann konzentriert man sich wieder aufs Wesentliche und sieht zu, dass man recht schnell wieder auf die Erfolgsspur kommt.

Sehen Sie sich denn  in Frankfurt wieder auf die Erfolgsspur kommen oder doch eher anderswo? Einige Fans haben sich ja vielsagend von Ihnen verabschiedet – nach dem Motto „Viel Erfolg, egal wo es Dich hin verschlägt“…
Im Sommer passiert immer viel. Ich habe aber noch einen Vertrag in Frankfurt, deswegen gehe ich auch davon aus, dass ich nächstes Jahr wieder hier bin. Aber wie das Leben eben so spielt – man weiß nie, was passiert. Die Frankfurter müssen natürlich auch gucken, wie das jetzt hier weiter läuft bezüglich der Sponsoren und der Mannschaftszusammenstellung. Die nächsten Wochen und Monate werden kunterbunt sein – wie in den bisherigen Sommern auch – und dann werden wir sehen, was passiert.

Sie sind letztes Jahr von Ulm nach Frankfurt gewechselt – vom Leistungsträger mit viel Spielzeit in Ulm zum Teil einer großen Rotation mit weniger Spielzeit in Frankfurt. Woran liegt das?
Ich denke, in Frankfurt ist das schon ein besonderer Fall. Wenn man sich unseren Kader anguckt, sieht man, dass wir teilweise zwölf Leute hatten, die wahrscheinlich in jeder anderen Bundesligamannschaft viel gespielt hätten. Wir wussten aber alle von Anfang an, dass ein harter Konkurrenzkampf auf uns alle zukommt. Was den Trainer angeht, wussten wir auch, dass er kunterbunt durchwechselt und dass es keine feste Fünf oder Sieben gibt, sondern dass alle rotieren. Von daher musste man sich darauf einstellen. Mir hat meine Rolle in Ulm natürlich besser gefallen, weil man so ein bisschen mehr der Star sein und sich mit Ruhm bekleckern kann (lacht). Aber insgesamt gesehen habe ich in diesem Jahr viel gelernt: besonders Kleinigkeiten, die man auf den ersten Blick vielleicht gar nicht sieht.

Zum Beispiel?
Wie zum Beispiel meine Verteidigungsarbeit, das gesamte Spiel zu lesen und Fehler zu minimieren. Das ist sehr wichtig und bringt mich weiter.

Trotz der guten Argumente bezüglich Ihrer spielerischen Entwicklung: beim letzten Play-Off-Spiel in der Crunchtime haben Sie nicht gespielt – sind Sie da gar nicht enttäuscht?
Doch, absolut! Wie für jeden guten Spieler gehört das dazu, unbedingt spielen zu wollen. Man hat ja lange auf diese Situation hingearbeitet und will dann natürlich in den Minuten, wo es drauf ankommt, auf dem Platz stehen.

Da es häufig so ist, dass in der entscheidenden Phase der Spiele kaum ein Deutscher auf dem Feld steht, kommt man unweigerlich auf die Diskussion über die deutschen Spieler in der BBL und die Quotierung…
Die momentane Situation ist grausam! Es gibt viele Leute, die viel darüber reden, aber wenig machen. Von daher ist das alles sehr frustrierend, und ich finde, da sollte von allen Seiten etwas kommen. Klar, es muss etwas von der BBL kommen, und der DBB muss dahingehend auch weiter Druck machen. So geht es einfach nicht weiter! Wir sind eine deutsche Liga, aber deutsche Spieler sind eigentlich Mangelware. Die wenigen Spieler, die wir haben, sitzen auf der Bank. Ich unterstütze natürlich die neue Regelung, bin aber sogar dafür, es so zu machen, dass immer zwei deutsche Spieler auf dem Feld sein müssen. Und ich hoffe sehr, dass diese Regelung jetzt in der ProB gut klappt, so dass wir so schnell wie möglich nachziehen können.

Sie selber haben als junger Spieler ihr Handwerkszeug in den USA gelernt – ist das etwas, was Sie jungen Spielern auch raten würden?
Wenn ich nur meine basketballerische Karriere beurteile, muss ich ehrlich sagen, dass es wahrscheinlich mein größter Fehler war, in die USA zu gehen. Ich war an einer kleinen Privatschule, musste dort immer Center spielen und meine Uni war basketballerisch auch nicht besonders toll. Es gab dort zwar große Traditionen, aber keinen modernen Basketball. Im Endeffekt hat mir das extrem geschadet. Es wäre wahrscheinlich das Beste gewesen, nur ein, zwei Jahre in den USA zu bleiben, dann zurück zu kommen und mich in Deutschland durchzubeißen. Aber vom menschlichen Aspekt war das natürlich eine Zeit, die ich nicht missen möchte. Außerdem habe ich meinen Abschluss gemacht, was mir auch sehr wichtig war. Als abschließender Tipp für die jungen Spieler: ein Jahr schadet sicher nicht, aber man muss genau aufpassen, dass man in genau die Situation kommt, die man sich vorher vorgestellt hat und den Basketball spielt, den man auch spielen will. Daher sollte man von den kleinen, privaten Schulen wegbleiben und sich lieber große, öffentliche suchen. Man sollte auch nicht die Angst haben, wieder zurückzukommen und ehrlich zu sagen, dass es nichts für einen ist. Es ist ein Fehler zu denken, man ist in den USA, alles ist toll, aber in Wirklichkeit passt einem Vieles nicht.

Was sind Ihre Pläne für die Zeit zwischen der abgelaufenen BBL-Saison und dem Start des DBB-Trainings? Wie halten Sie sich fit?
Es stehen in Frankfurt noch einige Termine und Besprechungen an, aber danach geht es sicher in den Urlaub. Aber natürlich versucht man trotzdem, im Training zu bleiben und einige leichtere Einheiten zu machen. Ich freue mich unheimlich auf die Nationalmannschaft! Es ist einfach etwas anderes im Sommer zu spielen, und es ist ja auch erst mein zweites Jahr. Das wird sicher super, und ich bin auch schon ein bisschen aufgeregt.

Dirk Bauermann hat Sie für bei der EM gesetzt erklärt hat – was bedeutet das Feedback des Bundestrainers für Sie, gerade auch im Hinblick auf Ihre erst einjährige Karriere in der Nationalmannschaft?
Das finde ich natürlich klasse und fühle mich extrem geehrt. Ich bedanke mich für das Vertrauen, das der Bundestrainer in mich hat und hoffe, dass ich ihm das zurückzahlen kann. Es wird natürlich viel gemunkelt, wer kommt, wer nicht kommt und wer aufhört, aber ich denke, es ist im Grunde genommen egal, wer kommt. Wir müssen die Jungs, die kommen und die Lust haben, mit an Bord nehmen und versuchen, das Beste daraus zu machen. Alles andere macht keinen Sinn – Spekulationen braucht keiner. Viele von uns sind in diesem Jahr besonders heiß, gerade weil sie so wenig gespielt haben. Wir wollen zeigen, dass wir auch noch da sind und auch noch Basketball spielen können!

Wie beurteilen Sie Ihre Aufgabe als Führungspersönlichkeit im verjüngten DBB-Team?
Ich werde versuchen, dem Team so gut wie möglich zu helfen. Dazu gehört, dass ich versuche, mit so wenigen Fehlern wie möglich zu spielen. Der Rest wird sich ergeben, das wird sich alles zeigen, wenn die Mannschaft zusammengestellt ist. Ich denke, dass ich ein ziemlich vielseitiger Spieler bin, der der Mannschaft an vielen Stellen helfen kann.

Sehen Sie das späte Turnier in Polen eher als Vorteil oder als Nachteil?
So viele Vergleiche habe ich ja nicht (lacht)! Im letzten Jahr war das Programm der Nationalmannschaft spät und das war super. Aber vielleicht komme ich in diesem Jahr ja so um die Preseason herum – das wäre natürlich super! Nein, jetzt mal Spaß beiseite. Es ist schon gut, dass es etwas später ist, weil wir so als Mannschaft gut zusammenwachsen können. Das wird in diesem Jahr sicher besonders wichtig sein. Es ist vielleicht ein kleiner Vorteil, aber im Prinzip ist das Spiel das gleiche – egal wann und wo.

Auf Grund der möglichen Pausen vieler Spieler wird das DBB-Team ein neues Gesicht haben. Bundestrainer Dirk Bauermann wird in diesem Zusammenhang oft als der Architekt dieses Teams bezeichnet. Nun sind Sie ja vom Fach: was ist Ihr professioneller Tipp für den Bundestrainer?
(grinst) Jedes gute Haus braucht ein gutes Fundament. Ich denke, man muss frühzeitig schauen, dass es ein paar stabile Säulen gibt, die fest stehen, egal was kommt. Das restliche Konzept kann man drumherum bauen. Wenn Dirk dabei ist, ist das klasse. Wenn er nicht dabei ist, kann man auch nichts machen. Dirk Bauermann hat jahrelange Erfahrung und weiß, was er in so einer Situation zu tun hat. Wir vertrauen ihm da blind, genauso wie er uns auch vertraut.

Im Sommer spielen Sie mit der Nationalmannschaft in Polen – Ihrem Geburtsland: Wann waren Sie zuletzt dort und mit welchem Gefühl reisen Sie dort hin?
Es ist auf jeden Fall ein tolles und ein besonderes Gefühl. Ich freue mich riesig! In der Mannschaft haben letztes Jahr schon alle Späßchen gemacht. Es wird auf jeden Fall etwas Besonderes sein. Mich haben letztes Jahr in Peking schon polnische Journalisten angesprochen. Es wird schon ein besonderes Erlebnis sein, auch wenn mich mit Polen nicht mehr so viel verbindet. Ich war schon lange nicht mehr dort.

Haben Sie Familie in Polen, die zur EM kommen wird um Sie vor Ort zu unterstützen?
Ich habe noch eine Oma, die dort wohnt. Ob sie in der Halle sein wird, weiß ich noch nicht, sie ist schon etwas älter.

Sie hätten auch für Polen spielen können: warum haben Sie sich für Deutschland entschieden?
Mittlerweile habe ich nur die deutsche Staatsbürgerschaft. Sicherlich hätte ich mich auch anders entscheiden können, aber ich habe ja auch in der Jugend schon für Deutschland gespielt. Die Entscheidung für Deutschland war bewusst, und ich habe sie auch zu keiner Sekunde bereut.

In der Vorbereitung auf die Europameisterschaft spielen Sie fünf Mal in Deutschland. Was bedeuten die Heimspiele für Sie?
Ich finde, das ist immer ein Wahnsinn, wie viele Fans zu unseren Spielen kommen. Das ist natürlich nicht nur wichtig für die Fans der Nationalmannschaft, sondern auch für die BBL-Fans, denn dann sehen sie endlich mal die deutschen Spieler spielen. Es ist für uns auch immer schön und wichtig, vor den Fans zu spielen. Außerdem kommen wir so aus dem Trainingsrhythmus heraus und in Spielsituationen. Es ist immer eine tolle Atmosphäre, bei der man viele bekannte Gesichter, Fans und Freunde sieht.

Mit Serbien, Slowenien, Mazedonien und möglicherweise Polen oder Kroatien warten harte Brocken in der Vorbereitung. Gibt es ein Spiel oder einen Gegner, auf den Sie sich besonders freuen?
Das sind alles hochkarätige Mannschaften, daher denke ich nicht, dass es eine Mannschaft gibt, die da heraussticht. In der Summe ist es wichtig, dass wir gegen starke Teams spielen, weil uns das perfekt auf die EM vorbereitet. Wir wissen, was wir zu machen haben, wir wissen auch, auf welchem Level wir sein müssen und wir können uns darauf von Spiel zu Spiel einstellen. Man lernt viel mehr, wenn man gegen gute Mannschaften spielt, als wenn man gegen eher schwächere Gegner spielt, um vielleicht ein gutes Ergebnis zu erzielen. Von daher bin ich guter Dinge, was unsere Vorbereitung angeht und hoffe, dass uns das in die Karten spielt.

Wenn ihr dann eine gute Vorbereitung gespielt habt, was sind denn dann die Ziele für die EM – persönlich und für das Team?
Erfolgreich zu sein – was auch immer das heißen mag. Es ist sehr wichtig, dass wir allen zeigen, dass es noch guten deutschen Basketball gibt und dass man die jungen deutschen Spieler nicht unterschätzen darf. Wir müssen uns auch selber beweisen, dass wir, auch mit wenig oder kaum Einsatzzeiten in der BBL, trotzdem keine schlechten Basketballer sind, sondern dass wir einfach nicht die Chance kriegen. Daher wird das für die meisten von uns eine Art Wiedergutmachung sein.

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