Interview Per Günther

An dieser Stelle präsentieren wir Ihnen Interviews, die mit den jeweiligen Spielern im DBB-Journal erschienen sind. Die können durchaus schon etwas älter sein, haben aber nach Meinung der Redaktion kaum etwas von Ihrem Reiz verloren.

Per Günther, DBB-Journal Nr. 14 vom April 2010

Eines der deutschen Gesichter in der BBL


Der 2. September im vergangenen Jahr war der wohl bisher bitterste Moment in der noch jungen Karriere von A-Nationalspieler Per Günther. Im vorletzten Testspiel der Nationalmannschaft vor der Europameisterschaft in Polen gegen Slowenien brach sich der Playmaker den Mittelfuß und wurde so um seine möglicherweise erste Teilnahme an den kontinentalen Titelkämpfen gebracht. Knapp acht Monate später ist von der Verletzung nichts mehr zu spüren. Günther trumpft beim Bundesligisten Ulm auf wie nie, ist fester  Bestandteil der Starting Five und macht sich bereits erste Gedanken um den nächsten Sommer der Nationalmannschaft.

Das DBB-Journal sprach mit dem Guard über seine persönlichen Ambitionen, ratiopharm Ulm und natürlich über das Team von Bundestrainer Dirk Bauermann.

Hallo Herr Günther, von Ihrer Verletzung ist nichts mehr zu bemerken. Sie gehen genauso couragiert und athletisch auf dem Feld zu Werke wie vor dem Fußbruch in Bonn.
Ja, da ist zum Glück nichts hängen geblieben. Weder im Kopf noch in den Knochen. Ich habe keinerlei Beschwerden mehr.

Was ist Ihnen damals als erstes durch den Kopf gegangen? Haben Sie gleich gespürt, dass es eine schwere Verletzung ist?
Ich wusste sofort, dass da etwas Gravierendes kaputt gegangen war. Tja, was denkt man da? Sch…. halt! Zudem hat es wirklich weh getan.

War Ihnen auch sofort klar, dass Ihre EM-Chance damit dahin war?
Natürlich! Aber ehrlich gesagt, habe ich erst einmal an Ulm gedacht. Das Thema Nationalmannschaft war sofort abgehakt! Aber ich hatte Angst, dass ich nun langwierig ausfalle und somit die Vorbereitung in Ulm verpasse. Das wäre zu diesem Zeitpunkt meiner Karriere echter Mist gewesen. Ulm stand und steht im Umbruch, und es war klar, dass ich in dieser Saison eine andere Rolle erhalten sollte. Doch ohne Vorbereitung wäre das alles in Frage gestellt worden.

Ihre Reha verlief dann aber problemlos, um nicht zu sagen optimal!
Zum Glück!!! Bereits nach fünfeinhalb Wochen habe ich wieder trainiert! Besonders wichtig war für mich in dieser Phase die Unterstützung des Vereins. Trainer Mike Taylor und das Ulmer Management haben mir immer den Rücken gestärkt. Mit Worten und mit Taten. Viele andere Vereine hätten in dieser Situation sicherlich sofort reagiert und personell nachgelegt. In Ulm haben sie aber Ruhe bewahrt und erst mal meinen Heilungsprozess abgewartet. Das hat mir gut getan.

Und wie war die Reha?
Mühsam natürlich, und die Zeit der EM war für den Kopf auch nicht leicht. Nur zuhause vor dem Fernseher die Spiele zu begleiten und die Beine hoch zu legen ist doch schwer.

Schaut man dann mit Wehmut auf die Mattscheibe?
Vielleicht ein klein wenig! Aber in erster Linie fiebert man mit. Die Jungs haben ja eine tolle Europameisterschaft gespielt und viel Werbung für den Basketball betrieben. Das hat mich unheimlich gefreut. Allerdings machen einen Spiele wie gegen Lettland oder Kroatien fast wahnsinnig, wenn man nur tatenlos zuschauen kann.

Von Tatenlosigkeit kann in Ulm aber keine Rede mehr sein. Sie sind bei Trainer Taylor im Ulmer BBL-Team eine feste Größe!
Für mich persönlich läuft es wirklich prima. Meine Rolle in der Mannschaft ist eine ganz andere als noch in der vergangenen Saison. Ich habe sehr viel mehr Spielanteile, und was ich besonders wichtig finde: Ich stehe am Ende der Spiele fast immer auf dem Feld. Ich habe sehr viel mehr Verantwortung übertragen bekommen.

Ein klares Zeichen, welches Vertrauen Ihnen in Ulm entgegen gebracht wird!
Ja, ein gutes Gefühl. Überhaupt wird es einem in Ulm sehr einfach gemacht. Ich habe nie bereut, von Hagen aus den Weg meiner Karriere hier fortzusetzen. Die Stadt und das Umfeld gefallen mir. Hier wird Basketball gelebt. Und ich habe die Fortschritte in meiner Entwicklung gemacht, die ich mir selbst, aber auch die sportliche Leitung der Ulmer sich vorgestellt haben. Ich fühle mich wirklich wohl.

Aber sportlich musste Ulm umdenken. Der tolle Einzug in die Play-offs in der vergangenen Spielzeit konnte nicht bestätigt werden. Ist das ein Wehrmutstropfen?
Nein, nicht wirklich. Sicherlich ist das sportliche Abschneiden nicht hundertprozentig befriedigend. Man möchte immer mehr. Aber es war allen Beteiligen von vorneherein klar, dass es eine schwere Saison wird. Die Mannschaft stand zum Saisonstart vor einem kompletten Umbruch. Ulm ist als Verein halt noch nicht in der Lage, Leistungsträger, besonders wenn sie überragend spielen, langfristig zu binden. Doch für einen Neuaufbau hat es ganz gut funktioniert, mit Höhen, aber auch Tiefen. Am Ende hat es zum sicheren Klassenerhalt gereicht, und ich glaube, dass unsere Fans besonders bei den Heimspielen zumeist auf ihre Kosten gekommen sind.

Mit dem Umbruch fand mit Robin Benzing auch ein langjähriger Weggefährte aus den DBB-Nachwuchsteams den Weg nach Ulm. Hatten Sie Anteil an seiner Entscheidung nach Ulm zu kommen?
Ich glaube ja! Ich habe ihn mit überzeugt, habe ihm Ulm gezeigt und viel berichtet. Und so, wie es aussieht, war es auch für ihn die richtige Entscheidung. Er genießt sehr großes Vertrauen bei Taylor und bekommt viel Anteile.

Die Mannschaft in Ulm ist recht jung. Wird darauf nun aufgebaut? Bleibt die Mannschaft zusammen?
Da bin ich wahrscheinlich der falsche Ansprechpartner. Geplant ist das sicherlich. Und die meisten Spieler haben, genau wie ich, noch Vertrag. Aber man weiß ja nie was pas- siert. Wünschenswert wäre aber ein wenig Kontinuität. Und ich glaube auch daran.

Und dann führt Per Günther als Starting-Five-Playmaker ratiopharm Ulm in der kommenden Saison zurück in die Play Offs?
Nette Vorstellung. Warum nicht? Die Mannschaft hat noch viel Entwicklungspotential. Der Verein auch!

Und Per Günther ebenfalls!? In Ihrer ersten BBL-Saison waren sie „Rookie of the year“. Dieses Jahr ein fester Starting-Five-Platz. Die nächste Stufe wäre doch der Teamerfolg mit Per Günther als Leistungsträger!?
Ja, das ist das Ziel. Freilich muss ich mich aber auch noch weiter entwickeln. Ein Schritt wäre da sicherlich, diese Saison mit ähnlich guten Daten zu bestätigen und noch ein wenig mehr Konstanz in meine Leistung zu bringen.

Und wie sehen Ihre weiteren Karriereplanungen aus? Können Sie sich ein Engagement im Ausland vorstellen oder träumen Sie gar von der NBA?
Natürlich habe ich viele Träume, aber auch klare Vorstellungen. An die NBA denke ich derzeit nicht wirklich. Ausland? Warum irgendwann mal nicht? Aber derzeit ist das kein Thema. Ich fühle mich in Ulm sehr wohl, und mein vorrangiges Ziel ist es, mich als deutsches Gesicht in der BBL zu etablieren. Danach sehe ich mal weiter.

Die Saison neigt sich jetzt dem Ende zu. Die Play Offs wurden verpasst. Sie haben demnächst also ein wenig mehr Zeit. Sicherlich steht ein Urlaub an, aber sicherlich denken Sie nach der verpassten EM-Teilnahme bereits an den kommenden Sommer und die Nationalmannschaft mit Bundestrainer Dirk Bauermann!
Ja freilich! Der Sommer verspricht wieder viel Spannung. Erst mal war es toll zu hören, dass wir die wild card für die Weltmeisterschaft in der Türkei erhalten haben. Die gibt die nötige Planungssicherheit. Jetzt hoffe ich, dass ich die Chance bekomme, dabei zu sein!

Wie sehen Sie Ihre Aussichten von Bauermann wieder nominiert zu werden? Stehen Sie im Kontakt mit dem Bundestrainer.
Immer mal wieder habe ich Kontakt, bekomme auch die eine oder andere SMS. Ich rechne auf jeden Fall mit einer Einladung zur Vorbereitung. Warum auch nicht, denn ich bin ja nicht schlechter geworden, habe mehr Spielanteile in der BBL und ein Jahr mehr Erfahrung. Aber einen Platz im WM-Kader habe ich damit noch lange nicht sicher.

Aber Sie würden gerne nominiert?
Was für ein Frage! Natürlich, die Jungs, die vergangenes Jahr in Polen dabei sein durften, waren hellauf begeistert. So was möchte ich auch erleben. Fakt ist aber, dass die Spieler des EM-Kaders ein klein wenig die Nase vorn haben. Und Fakt ist auch, das hat nicht zuletzt die EM gezeigt, dass das Niveau der Mannschaft sehr hoch ist. Und die Konkurrenz wird dieses Jahr noch größer sein. Es rücken immer mehr junge deutsche Spieler nach. Und die EMTeilnehmer, aber auch die Spieler, die kurz zuvor noch durchs Sieb gefallen sind, spielen in diesem Jahr in der BBL eine sehr viel größere Rolle. Sie dürfen sich alle Hoffnungen machen. Ich bin mir sicher, dass die Bundestrainer die Qual der Wahl haben. Aber das sehe ich absolut positiv. Das kann nur gut für den deutschen Basketball sein. Ich persönlich werde den Konkurrenzkampf auf jeden Fall sehr gerne aufnehmen und freue mich auf den Sommer.

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