Interview Robin Benzing

An dieser Stelle präsentieren wir Ihnen Interviews, die mit den jeweiligen Spielern im DBB-Journal erschienen sind. Die können durchaus schon etwas älter sein, haben aber nach Meinung der Redaktion kaum etwas von Ihrem Reiz verloren.

Robin Benzing und Jan-Hendrik Jagla, DBB-Journal Nr. 22 vom August 2011

„Es gibt keine Kluft oder Grüppchenbildung“

Der eine ist 2,11 Meter groß, der andere 2,09. Beide spielen seit einigen Jahren in der Nationalmannschaft, beide spielen im kommenden Jahr beim FC Bayern München. Der eine steht am Anfang seiner Karriere, der andere auf dem Höhepunkt. Beide teilten im Trainingslager auf Gran Canaria ein Zimmer. Das alles – und noch viel mehr – hat die Redaktion des DBB-Journal so stark interessiert, dass ein gemeinsames Gespräch mit Jan-Hendrik Jagla und Robin Benzing vereinbart wurde. Hier lesen Sie das Ergebnis.

Sie sind ja Vertreter unterschiedlicher Generationen im Nationalteam. Was bedeutet es für Sie, generell für Deutschland zu spielen?
Jagla: Das bedeutet immer noch sehr viel. Klar macht man das schon eine ganze Weile mit, aber das ist immer eine besondere Situation im Sommer, sich mit den Jungs, die schon lange dabei sind oder auch frisch ins Team gewachsen sind, zu treffen, Zeit zu verbringen, sich immer wieder als Mannschaft zu finden. Innerhalb kürzester Zeit die beste Leistung bringen zu müssen, das ist zwar schwierig, aber das ist es auch, was Spaß daran macht.
Benzing: Es erfüllt mich mit großem Stolz, für mein Land spielen zu dürfen, auch wenn das etwas platt klingen mag.

Was ist heute anders im Nationalteam als vor fünf oder sieben Jahren?
Jagla: Es ist ganz viel gleich geblieben, obwohl es jetzt andere Leute sind. Der Zusammenhalt, der uns früher so ausgezeichnet hat, ist heute immer noch so vorhanden. Heute ist die Mannschaft mit den vielen jungen Spielern in einer Umbruchphase. Das war anders, als ich damals angefangen habe. Da gab es eine Mannschaft, die vorher schon jahrelang zusammen gespielt hatte. Von der Atmosphäre und vom Gefühl her ist es genau wie früher.

Sie haben ja jeweils einen anderen Weg am Anfang Ihrer Karrieren gewählt. Sie, Jan Jagla, haben sich für eine College-Laufbahn in den USA entschieden. Was würden Sie im Nachhinein sagen: war die Entscheidung richtig und was bringt es einem, aufs College zu gehen im Gegensatz dazu, schon im Alter von 19 oder 20 Profi zu werden?
Jagla: Ich glaube, da muss jeder Spieler seinen eigenen Weg wählen. Ich würde da nichts anders machen. In meiner damaligen Situation war das meiner Meinung nach die richtige Entscheidung, ich bin damit erfolgreich geworden. Von daher würde ich das auf keinen Fall anders machen heutzutage. Robin hat aber auch einen guten Weg gewählt. Er hat sich früh entschieden Profi zu werden, hat gute Leute um sich gehabt, hat von Anfang an viel gespielt: Das war sicher wichtig für ihn, in Ulm viel Verantwortung zu haben und viele Entscheidungen auf dem Spielfeld treffen zu können. So konnte er sich als Spieler gut weiterentwickeln, bei mir war es das College, wo ich auch viel Spielzeit bekommen habe.
Benzing: Für mich war das College auch einmal eine Option, ich wollte nach Michigan gehen. Aber ich habe mich durch das eine Jahr Sperre, das ich hätte in Kauf nehmen müssen, dann doch dazu entschieden, ein Jahr in der ProA beim TV Langen zu spielen. Dort habe ich ein sehr sehr gutes Jahr gehabt, das mir viel gebracht hat, und danach war die College- Geschichte eh gestorben und Ulm und die BBL die richtige Option. Die zwei Jahre in Ulm haben mich weiter gebracht. Ich kann jetzt nicht sagen, dass Jans oder mein Weg der bessere ist, bei beiden Entscheidungen macht man tolle und wichtige Erfahrungen. Hätte ich mich für das College entschieden, weiß man nicht genau, wo ich jetzt wäre, vielleicht wäre es genauso gut gelaufen. Ich denke aber, dass ich bisher nicht so viel falsch gemacht habe, werde weiter hart arbeiten und schauen, was dann geht.

Jan hat es ja so ein bisschen vorgemacht, wie es weitergehen könnte. Er hat viele Jahre erfolgreich im Ausland gespielt. Ist das auch eine Option für Sie?
Benzing: Auf jeden Fall, europäisch spielen wäre auch etwas ganz Großes für mich, da kann man hohe Ziele erreichen. Ich wollte ja immer versuchen, in die NBA zu kommen, aber ich denke, dass das ein sehr schwieriger Schritt wird. Zunächst einmal ist mein Ziel, europäisch zu spielen, und ich freue auf die Aufgaben bei Bayern München, da spielen wir ja auch international.

Jetzt folgt eine möglicherweise etwas unbequeme Frage an Jan Jagla: In diesem Sommer kommt Dirk Nowitzki wieder zur Nationalmannschaft, und zwar genau auf Ihrer Position, auf der Sie sich in den vergangenen beiden Jahren zum „go to guy“ entwickelt haben. Wie bereiten Sie sich darauf vor, dass Sie vom Top- Leistungsträger möglicherweise wieder mehr ins zweite Glied zurücktreten müssen?
Jagla: Es ist ja schon längere Zeit ein Thema gewesen, dass Dirk wieder zur Nationalmannschaft kommt. Letztendlich muss man klar sagen, dass es um das Team geht und nicht um einzelne Spieler. Über allem steht das Ziel Olympia, und die Mannschaft, die das am besten erreichen kann, muss auf dem Spielfeld stehen. Ich hoffe natürlich trotzdem, dass ich meine Spielzeit bekommen werde, die sicher anders aussehen wird als in den vergangenen beiden Jahren. Wenn man mit einem Spieler wie Dirk zusammen spielen darf, ist das immer eine super Sache und eine tolle Erfahrung. Ich habe das ja auch schon oft genug gemacht, um zu wissen, was mich erwartet. Ich denke, bei der EM 2007 in Spanien habe ich das auch ganz erfolgreich hinbekommen. Ich muss sehen, dass ich der Mannschaft das geben kann, was gebraucht wird, und denke, dass ich so oder so ein Führungsspieler sein werde. Mit wie viel Anteilen gerade in der Offensive, werden wir am Ende sehen. Zusammen mit Steffen oder Sven zähle ich zu den älteren Spielern, die die jüngeren Spieler z.B. im Trainingslager pushen, für sie da sind und auf das hohe Niveau bei der EM mit vorbereiten. Wenn dann die Spiele beginnen, wird es eine andere Situation sein. Ich muss einen Weg finden, wie ich der Mannschaft am besten helfen kann, damit wir erfolgreich sind.

Robin, wie ist das für Sie, wenn Sie an Dirk Nowitzki in der Nationalmannschaft denken? Beeinflusst das Ihre persönlichen Ziele?
Benzing: Meine Ziele beeinflusst das nicht unbedingt. Ich freue mich ungemein, dass Dirk und Chris kommen. Für jeden jungen Spieler ist es etwas ganz Großes, mit den beiden in einer Mannschaft zu stehen. Wir gehen in den Sommer hinein, um die Olympiaquali zu schaffen, das ist ganz klar.

Wie sieht es denn generell mit Ihren Karriereplanungen aus? Die nächsten Jahre stehen sicher die Münchner Bayern im Vordergrund, und dann?
Jagla: Mein Plan ist ganz klar, das Konzept Bayern München Basketball weiter voranzutreiben, mit vielen Spielern aus der Nationalmannschaft, aber auch mit vielen guten Spielern, die jetzt von außerhalb dazu kommen. Es ist natürlich eine schöne Sache und besondere Ehre, wenn man so etwas im eigenen Land machen kann, mit Spielern wie Steffen Haman zum Beispiel, mit dem ich schon vor 15 Jahren bei Bundesjugendtreffen zusammen gespielt habe. Meine Hoffnung ist es, dass wir in München den Erfolg haben werden, der von allen Seiten von uns erwartet wird. Dann hoffe ich, dass ich diesem Verein noch lange Zeit verbunden sein kann.
Benzing: FC Bayern München Basketball ist das größte Projekt, was es derzeit im Basketball gibt, da freue ich mich auf die neuen Aufgaben, zusammen mit Coach Bauermann, den Jungs aus der Nationalmannschaft und besonders auch international. Da möchte ich mich so gut es geht weiter entwickeln und so viele Spiele wie möglich gewinnen. Wer den FC Bayern kennt, weiß, dass es dort keine halben Sachen gibt. Das werden sicher zwei spannende Jahre, auch für mich.

Jan, vielleicht erzählen Sie Robin mal, warum es sich denn so lohnt, sich für eine Olympia- Teilnahme den Arsch aufzureißen.
Jagla: Olympia ist ein ganz spezielles Gefühl, was man eigentlich gar nicht richtig beschreiben kann. Alleine am Anfang, wenn man mit der deutschen Mannschaft ins Olympiastadion einläuft, wenn man sieht, dass die gesamte Welt gerade die Augen auf diesen Punkt richtet. Aber auch im Olympischen Dorf zu wohnen, die anderen Athleten anderer Sportarten zu treffen, große Stars wie Roger Federer oder Rafael Nadal zu erleben, die beim Essen neben einem sitzen, das ist einfach Sport, wie man ihn sonst nie haben kann. Auch eine Weltmeisterschaft, bei der man ja auf die eigene Sportart beschränkt ist, kommt da in keinster Weise ran. Insofern lohnt es sich wirklich, noch mehr dafür zu geben, sich noch mehr zu quälen, um dann am Ende das Stückchen besser zu sein, das eine Olympiateilnahme ermöglicht.

Robin, ist das so angekommen?
Benzing: Das hat der Herr Jagla sehr gut erklärt (lacht). Er hat es selbst erlebt und man merkt, dass es für ihn etwas ganz Außergewöhnliches gewesen ist. Für jeden jungen Spieler, der so eine Chance bekommt, ist es ein Traum, bei Olympischen Spielen dabei zu sein. Wir haben alle in der Jugend mal eine Art „Jugend-Olympiade“ gespielt. Das war schon ein cooles Ereignis für uns, aber das ist natürlich nicht zu vergleichen mit den richtigen Olympischen Spielen. Dafür wirklich jeden Tag alles zu geben, das ist für mich nur allzu verständlich.

Sie sind in diesem Sommer „room mates“ bei der Nationalmannschaft. Was bekommt man von einem Teamkollegen mit, wenn man mit ihm ein Zimmer teilt, was man sonst vielleicht nicht so mit bekommen würde?
Benzing: Gerade abseits vom Feld spricht man halt über einige Sachen. Durch Jan kann ich ganz viel lernen, er kann mir viel beibringen, was jetzt nicht unbedingt nur etwas mit dem reinen Basketballspielen zu tun hat. Seine Erfahrung ist da ganz wichtig für mich.

Gibt es generell ein besonderes Verhältnis zwischen älteren und jüngeren Spielern, gibt es Rituale oder sogar eine Art Kluft zwischen den Generationen?
Jagla: Es ist auf jeden Fall eine Einheit, da gibt es keine Kluft oder Grüppchenbildung. Das sieht man ja auch daran, dass immer wieder ältere und jüngere Spieler auf einem Zimmer sind, die sich gut verstehen, dass das auch nicht nur vom Coach gewollt ist, sondern dass das auch die Spieler selber wollen. Es ist sicher gut, wenn ältere Spieler den jüngeren noch etwas beibringen. Gerade Spieler wie Robin, die wissbegierig sind, stellen dann einfach Fragen, und das macht dann wiederum auch mir Spaß, etwas weiter zu geben und zu sehen, wie er das dann umsetzt oder beachtet. Das ist ganz wichtig für die Nationalmannschaft, dass sie mit diesem Generationsunterschied klar kommt. Da sehe ich mich und die schon genannten älteren Spieler als Vorbilder und als eine Art Mentoren.

Sie beide haben in den Jugend-Nationalmannschaften des DBB gespielt, Robin in allen Teams, Jan weniger. In diesem Jahr sind die Erfolge der U16, U18 und U20 auffallend. Was, glauben Sie, hat sich da möglicherweise verändert?
Benzing: Die junge Generation ist sehr talentiert, und der Fokus, den die jungen Spieler auf den Basketball richten, ist noch größer geworden als in früheren Jahren. Als Jan Jugendlicher war, war die Professionalität und Förderung im Nachwuchsbereich bestimmt noch nicht so groß wie heute. Die Jugend wird viel früher und schneller gefördert, dadurch kommen diese Erfolge zustande.

Jan, verfolgen Sie das Thema auch?
Jagla: Ja, das bekommt man natürlich immer wieder mit, durchs Internet zum Beispiel. Ich denke, dass sich in den letzten Jahren im Basketball in Deutschland sehr viel getan hat. Dirk Nowitzki hat sicher viele junge Spieler zum Basketball animiert, dadurch ist der Talentepool breiter geworden. Aber auch mit der nachhaltigen Arbeit von Coach Bauermann, der in den letzten Jahr sehr viel Wert auf viele Bereiche der Nachwuchsförderung gelegt hat, ganz besonders auch auf die Ausbildung der Trainer für den Jugendbereich, die heute sehr gute Arbeit leisten. Das ist eine super Sache und ich hoffe, dass das weiter so funktionieren wird, denn nur so können gute A-Nationalmannschaften entstehen, die über die nächsten Jahre weiter erfolgreich sind. Es wird ja auch nach Nowitzki eine Nationalmannschaft geben. Dafür müssen jetzt die Talente heran reifen.

Wenn Sie Bundestrainer Dirk Bauermann kurz beschreiben müssten, was würde Ihnen einfallen?
Jagla: Coach Bauermann ist ein erfahrener Trainer, der national und international sehr viele Spiele gecoacht hat. Die Erfahrung ist ein ganz wichtiger Faktor bei ihm, seine Tätigkeiten überall haben ihn stark geprägt. Wichtig ist auch, dass er seine taktischen Vorstellungen hat und auch konsequent verfolgt. Das habe ich an ihm sehr schätzen gelernt, dass er sich nicht anpasst, sondern sein eigenes Ding durchzieht.
Benzing: Da kann ich mich gut anschließen. Für mich als jungen Spieler ist der Faktor Vertrauen noch ganz wichtig. Dirk Bauermann hat uns in den vergangenen Jahren immer viel Vertrauen gegeben, hat uns nicht gleich beim ersten Fehler bestraft.

Es gibt in Deutschland – und in Europa generell – eine Art Tradition körperlich lang gewachsener, sehr guter Schützen. Das fing mal an mit Detlef Schrempf, hat mit Dirk Nowitzki sicher den Idealtyp gefunden, aber auch Sie sind 2,10 m groß und hervorragende Distanzschützen. Woher kommt das Ihrer Meinung nach?
Benzing: Gute Frage (Danke – Anm. d. Red.). Im europäischen und auch im deutschen Basketball wird sich von Beginn an viel auf die individuelle Ausbildung konzentriert und nicht nur auf die Athletik. Wenn man also einen Shooting Touch hat, wird man nicht gezwungen, ein Brecher unter dem Korb zu werden, sondern darf an seinem Wurf arbeiten und wird gefördert.
Jagla: Bei mir war es so, dass ich schon früh groß war, aber extrem dünn. Daher habe ich sogar eher auf der 3 gespielt, sogar noch im College. So habe ich immer die Möglichkeit gehabt, meine Fähigkeiten von außen zu entwickeln. Da ich immer etwas untergewichtig war, ging die Richtung eher nach draußen als nach innen. Ich glaube, dass Robin Recht damit hat, dass hier häufig die Fähigkeiten des Spielers gefördert werden und nicht unbedingt nur nach der Körpergröße trainiert wird. In den USA ist das sicher etwas anders, da gibt es ganz viele „Zwangs“-Center aufgrund ihrer Körper.

Abschließende Frage: Wie sehen Ihre Pläne für die Zeit nach der aktiven Karriere aus, sofern es solche Pläne überhaupt gibt?
Jagla: Da habe ich schon viele Vorstellungen. Ich versuche ja, nebenbei mein Studium zu Ende zu bringen und gerade wenn man sich mal mit anderen Sachen beschäftigt, kommen mir viele Geschäftsideen in den Kopf, die ich irgendwann vielleicht mal verfolgen werde. Das könnte zum Beispiel etwas mit Immobilien sein, daran habe ich großes Interesse. Ich schreibe meine Ideen auf und sage mir, früher oder später wirst Du mal gucken, dass Du Dich vielleicht in die Richtung umorientierst. Natürlich möchte ich dem Basketball in irgendeiner Form verbunden bleiben, denn der Sport hat mir sehr viel gegeben. Aber ob ich mal Trainer sein kann oder möchte, kann ich jetzt noch nicht sagen. Vielleicht kann ich mein Wissen in einer Art Camp weitergeben, das wird man dann sehen.
Benzing: Bei mir ist das noch ein bisschen früh, da habe ich noch nicht wirklich drüber nachgedacht. Da habe ich ja auch noch etwas Zeit. 

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