Interview Tibor Pleiß

An dieser Stelle präsentieren wir Ihnen Interviews, die mit den jeweiligen Spielern im DBB-Journal erschienen sind. Die können durchaus schon etwas älter sein, haben aber nach Meinung der Redaktion kaum etwas von Ihrem Reiz verloren.

Tibor Pleiß, DBB-Journal Nr. 20 vom April 2011

„Dirk wäre das i-Tüpfelchen!”

215 cm groß endlos lange Arme, ein feiner „Shooting touch“ und für die Größe sehr flinke Beine: dieses komplette „Paket“ vereint Tibor Pleiß, 21-jähriger Center der Brose Baskets Bamberg und der deutschen Nationalmannschaft, auf sich. Bleibt er gesund, wird der gebürtige Bergisch Gladbacher über mindestens ein Jahrzehnt hinweg unter den Körben für Deutschland auf Korbjagd gehen. Und vielleicht auch schon bald für ein NBA-Team. Das Tor zur großen Basketball-Welt steht für Tibor Pleiß sperrangelweit offen … und er wird hindurch gehen. Vorher fand er noch die Zeit für ein ausführliches Gespräch mit dem DBB-Journal.

Vor etwa einem Jahr saßen wir hier an gleicher Stelle und Sie haben Ihre Ziele für die kommenden Monate genannt: dabei ging es viel um Lernen, Weiterentwickeln etc.. Wie sieht die Bilanz heute aus?
Man muss ja sagen, dass ich im letzten Jahr einen extrem großen Schritt gemacht habe. Schon bei der WM habe ich sehr viel gespielt, womit ich im Vorfeld gar nicht gerechnet habe. Das war eine sehr große Ehre, und jetzt hoffe ich, dass die Entwicklung step by step so weiter geht.

In Bamberg scheint die ideale Situation für Sie zu sein. Was macht den Standort Bamberg aus, ganz besonders für Sie persönlich?
Bamberg ist eine Basketballhochburg, hier ist Basketball die Nummer 1. Es wird alles viel mehr gewürdigt, wir haben hier ideale Bedingungen, eine super Nachwuchsarbeit und insgesamt einfach eine tolle Atmosphäre. Das motiviert mich extrem. Wir haben aber auch ein sehr starkes, eingespieltes Team, wir sind wie eine Familie zusammen gewachsen. Das macht außerordentlich selbstbewusst.

Es dürften schon bald wichtige Entscheidungen über Ihre sportliche Zukunft anstehen. Wie ist der aktuelle Stand?
Momentan spiele ich hier noch in Bamberg. Mehr kann ich eigentlich dazu nicht sagen. Was in der Zukunft passiert, wird sich zeigen. Mein Traum ist es natürlich, über den großen Teich in die NBA zu kommen, da möchte ich auf jeden Fall irgendwann mal spielen.

Glauben Sie, dass Sie heute besser für die NBA gerüstet sind als noch vor einem Jahr? Was fehlt noch, um den großen Sprung zu wagen?
Ich muss an allem noch viel arbeiten, das sage ich fast in jedem Interview. Ich erkenne aber Fortschritte, ich werde physisch und athletisch stärker, fühle mich oft auch schon als erfahrener Spieler, habe den Spaß am Sport erhalten, was auch ganz wichtig ist. Ich versuche mir keinen Druck mit Zwischenzielen zu machen, sondern gehe das eher kontinuierlich an. Ich arbeite in zusätzlichen Trainingseinheiten besonders an Dingen, die mir früher überhaupt keinen Spaß gemacht haben. Ich habe eben das große Ziel in die NBA zu kommen, und für diesen Traum mache ich alles.

Gibt es ständigen Kontakt zwischen Ihnen und den Oklahoma City Thunder?
Ja, jede Woche per sms, eMail und Telefon. Die Thunder sind auch sehr oft hier, sie haben einen Scout in Treviso, der ab und zu vorbeikommt. Sie schenken mir große Aufmerksamkeit und beobachten meine Entwicklung genau.

Zuletzt hat sich Svetislav Pesic zu Wort gemeldet, der sich gut vorstellen könnte, Sie und Robin Benzing nach Valencia zu holen. Hat er mit Ihnen über diese Möglichkeit gesprochen, ist Spanien eine Option?
Ich habe davon gehört, habe aber für die nahe Zukunft keine konkreten Pläne. Ich möchte lieber etwas freier sein und mich damit nicht zusätzlich belasten. Im Sommer werde ich sehen, wo ich mich hingezogen fühle.

Wer berät Sie – sportlich und persönlich – in diesen Fragen?
Mein Agent Rade Filipovic hilft mir mit seiner Agentur die richtigen Entscheidungen zu treffen. Auch Bundestrainer Dirk Bauermann spielt eine extrem große Rolle, da er mich sehr gut kennt und auch von Anfang an begleitet hat. Er hat mich auch in meiner Entscheidung bestärkt nach Bamberg zu gehen. Die schlussendliche Entscheidung kommt aber natürlich von mir selber.

Sie haben in den vergangenen beiden Jahren international ja bereits gegen eine ganze Reihe erstklassiger Center spielen „dürfen“. Welcher Center hat Sie zuletzt bei der WM in der Türkei am meisten beeindruckt?
Da gab es einige. Die Center der Griechen, gegen die wir in der Vorbereitung gespielt haben, fand ich sehr gut. Bouroussis zum Beispiel, mit dem hatte ich noch eine kleine Rechnung vom Vorjahr offen. Es war interessant, gegen die australischen Center zu spielen, und natürlich war es auch eine besondere Herausforderung, sich mit den Centern aus Argentinien und Serbien zu messen.

Was ist Ihre Meinung über die anderen Spieler des Jahrgangs 89? Robin Benzing, Elias Harris, Philipp Schwethelm? Ist es/wird es eine goldene Generation?
Ich glaube schon. Die deutsche Jugend blüht, auch in der Liga. Die Rolle der Deutschen wird wichtiger, sie machen große Fortschritte. Philipp Schwethelm, den ich am besten kenne (die beiden spielten schon vor einigen Jahren in Köln zusammen – Anm. d. Red.), Robin Benzing oder auch jetzt wieder Philip Zwiener, von dem man in Berlin zuletzt nicht mehr viel gesehen hatte, die stechen alle hervor. Das ist klasse!

Wie ist Ihr Verhältnis zu Bundestrainer Dirk Bauermann? Was wären Sie ohne ihn?
Ohne Dirk hätte ich vielleicht den Schritt nach Bamberg nicht gemacht. Das war die richtige Entscheidung, ihm habe ich extrem viel zu verdanken. Er hat mich schon zur EM in Polen mitgenommen und zuletzt zur WM in die Türkei. Ohne diese Einsätze hätte ich nicht so viel gelernt und mich nicht so verbessern können. Er gibt mir auch Selbstbewusstsein und die Motivation, noch mehr zu kämpfen, noch mehr zu geben, mich noch mehr anzustrengen, um noch besser zu werden.

Bei der WM in der Türkei wurde im Vorfeld und auch im Nachhinein viel über den öffentlichen Druck gesprochen. Belastet es Sie, dass die Öffentlichkeit extrem hohe Erwartungen an Sie als Starting Center hat? Wie gehen Sie mit diesem Druck um?
Am Anfang der Saison hat mich das schon belastet, weil das auch so neu war, aber im  Laufe der Saison habe ich das abgelegt und nehme das locker. Ich beschäftige mich nicht mehr damit, mir Druck zu machen. Es ist klasse diese Aufmerksamkeit zu bekommen, aber ich bin noch ein junger Spieler, ich habe Spaß am Sport, da muss ich mir keinen Druck machen.

Im Sommer 2009 durften Sie noch hinter Patrick Femerling lernen, im Sommer 2010 waren Sie Center Nr. 1 in der deutschen Nationalmannschaft. Jetzt könnte es in diesem Jahr sein, dass Chris Kaman wieder für Deutschland spielt und Sie in die zweite Reihe rücken. Was bedeutet das für Sie: eher Frust oder eine besondere Motivation?
An erster Stelle auf jeden Fall Motivation. Durch Chris Kaman wird unsere Spielqualität noch um Einiges erhöht. An Nummer eins stehen die Mannschaft und deren Erfolg. Wir wollen uns für Olympia 2012 qualifizieren, dafür brauchen wir die beste Mannschaft. Ich werde versuchen, meine Spielzeit, die ich bekomme, zu nutzen und eben auch Spaß zu haben. Ich freue mich das ganze Jahr auf die Nationalmannschaft. Jetzt hoffe ich, dass Chris Kaman kommt, denn ich kann von ihm sicher noch etwas lernen. Meistens gibt es ja zwei Center in einem Team, und es steht ja nicht unbedingt an erster Stelle, wer am Anfang auf dem Feld steht.

Auch mit Dirk Nowitzki haben Sie noch nie zusammen gespielt. Was erwarten Sie vom deutschen Team, wenn die NBA-Stars mit dabei sind? Und was, wenn nicht?
Dirk wäre das i-Tüpfelchen, was unserer Mannschaft noch aufgesetzt wird. Wir haben aber auch mit den jungen Spielern ein super Team. Letztes Jahr haben wir fast Argentinien geschlagen, wir haben Serbien geschlagen, und Dirk könnte uns natürlich enorm unterstützen. Das hatte ich mir eigentlich schon im vergangenen Jahr erhofft, und jetzt hoffe ich auf diesen Sommer.

Von einigen Ihrer Nationalmannschaftskollegen werden Sie etwas über Olympia gehört haben. Bei der kommenden EM geht es auch wieder um die Olympiaqualifikation. Wie groß ist Ihr Wunsch, einmal bei Olympischen Spielen dabei zu sein?
Das wäre die größte Ehre. Man träumt als Sportler von Olympia, vom Einlauf ins Stadion mit der eigenen Flagge …

…Sie möchten also direkt Fahnenträger werden?…
… (lacht) ne, ne, aber auch das Hinterherlaufen und das eigene Land dort zu repräsentieren, das wäre schon ganz groß. Zumal wir dadurch auch wieder mehr Aufmerksamkeit für Basketball in Deutschland erzeugen könnten.

Bei Ihnen dreht sich sicher fast alles um Basketball. Was machen Sie in Ihrer spärlichen Freizeit? Was sind Ihre Hobbies etc.?
Ich versuche schon etwas nebenbei zu machen. Das ist nicht ganz einfach, denn Basketball nimmt einen großen Raum ein, zumal ich ja auch noch einige Einheiten extra mache. Es ist so, dass ich die Freizeit mit meiner Freundin Nina verbringe. Ich hatte mir im vergangenen Jahr schon vorgenommen Spanisch zu lernen, einfach mal noch eine andere Sprache zu lernen. Das will ich jetzt endlich starten. Das heißt aber nicht, dass ich bald in Spanien spielen werde.

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