Interview Dirk Bauermann

An dieser Stelle präsentieren wir Ihnen Interviews, die mit den jeweiligen Spielern im DBB-Journal erschienen sind. Die können durchaus schon etwas älter sein, haben aber nach Meinung der Redaktion kaum etwas von Ihrem Reiz verloren.

Dirk Bauermann, DBB-Journal Nr. 22 vom August 2011

Zwei Schubladen mit taktischen Ausrichtungen


Herren-Bundestrainer Dirk Bauermann musste sich vor diesem Sommer viele Gedanken machen, wie er mit seiner Mannschaft bei der EM in Litauen spielen möchte. Die positive Entscheidung von Dirk Nowitzki und Chris Kaman hat diese Gedanken natürlich maßgeblich beeinflusst. Darüber und über vieles mehr haben wir mit dem Headcoach gesprochen.

 

Wie wichtig war es denn, dass Dirk Nowitzki und Chris Kaman schon vor Beginn des Trainingslagers ihre Teilnahme an der EM und an Teilen des Vorbereitungsprogramms bekannt gegeben haben,  sowohl für Sie als auch für die Mannschaft?
Es war für alle sehr wichtig. Für mich, weil wir sicherstellen können, dass wir keine Inhalte vermitteln oder trainieren, die überflüssig sind, weil sie eher für eine Mannschaft ohne Dirk und Chris gedacht gewesen wären. So hat mir diese frühe Entscheidung eine enorme Planungssicherheit gegeben. Für die Mannschaft war es natürlich auch –gerade motivational und emotional – sehr wichtig zu wissen, dass beide kommen, denn alle haben darauf gehofft, aber diese Unsicherheit darüber tut dann am Ende doch keinem gut. Wenn man trainiert, will man wissen, mit wem man zusammen in die Schlacht zieht, und da war es für alle eine Riesenfreude, dass beide dabei sind.

Gab es vorher zwei verschiedene Konzeptionen, zwei verschiedene Abläufe des Sommers?
Ich hatte zwei Schubladen. In der einen war die taktische Ausrichtung mit Dirk und Chris, in der anderen die taktische Ausrichtung ohne die beiden. Da kann man ja nicht erst einen Tag vor dem Trainingslager anfangen zu planen, sondern die Planungen mussten schon feststehen, und es ging nur noch darum, nicht ins falsche Fach zu greifen.

Sie waren zehn Tage auf Gran Canaria. Gab es im Trainingslager bestimmte Spieler, die die Rolle von Dirk und Chris übernehmen durften/mussten? Sagt man ganz konkret: Du bist jetzt mal Dirk für die nächsten fünf Minuten?
Nein, das wäre ja auch nicht klug. Konzeptionell richten wir uns natürlich sehr nach den Stärken der beiden Spieler, und insofern orientieren sich auch alle Inhalte, alle konzeptionellen Entscheidungen an den Beiden, die  ja ganz klar das Herzstück des Angriffs sein werden, sein müssen. Zwei von die Angriffen müssen über sie laufen, Dirk sicher noch mehr als Chris. Beide sind auf europäischem Niveau von den Mannschaften nur schwer zu stoppen. Wir werden anders als in den letzten beiden Sommern, als wir ganz viel „pick´n roll“ gespielt haben, in diesem Jahr den Ball mehr nach innen bringen, sowohl auf die klassische Brettcenterposition als auch auf die sogenannten Ellenbogen, den Ecken der Zone. Insofern ähnelt unsere Ausrichtung in diesem Sommer wieder stärker der von 2008.

Jetzt stehen die Testspiele in Deutschland an. Wie muss man sich die Auswahl der Testgegner vorstellen?
Dabei spielen sehr unterschiedliche Faktoren eine Rolle. Das eine sind die sportlichen, da gibt es aber auch andere. Nicht jeder Wunschgegner ist ja zum bestimmten Zeitpunkt auch verfügbar. Ich bin aber sehr zufrieden mit den Gegnern, die wir vor der EM gefunden haben. Es geht auch darum, nach Möglichkeit gegen Gegner wachsender Stärke zu spielen, deshalb treten wir beim Supercup auch zuerst gegen Belgien an, das eine gute Mannschaft, aber sicher nicht die Stärke von Griechenland und der Türkei hat. Wichtig ist natürlich noch, dass man in der Vorbereitung gegen Mannschaften spielt, die einen ähnlichen Spielstil haben wie die Gegner bei der EM. So ist das zum Beispiel mit Bosnien-Herzegowina, das ähnlich veranlagt wie Serbien ist.

Kommen wir zur EM-Vorrunde. Was fällt Ihnen zu den einzelnen Gegnern ein? Beginnen wir mit dem EM-Auftakt gegen Israel.
So ein Auftaktspiel ist immer besonders schwer. Du stehst unter Druck unbedingt gewinnen zu müssen. Man wird sich in dieser schweren Gruppe keinen Ausrutscher gegen die vermeintlich Kleinen erlauben dürfen. Israel ist eine Basketballnation, die meisten Spieler habe viel Erfahrung auf dem höchsten europäischen Niveau, mehr als unsere Spieler. Außerdem haben sie mit Omri Casspi einen NBA-Profi. Trotzdem wollen wir uns nicht verrückt machen lassen und wollen den Ball konsequent unter den Korb bringen, wo die Israelis am ehesten Probleme haben, jedenfalls was die Physis angeht. So können wir das Spiel in den Griff bekommen und die Israelis schlagen. Leicht wird das aber sicher nicht. Gegen all diese Mannschaften müssen wir sowieso auf höchstem Niveau verteidigen.

Weiter geht es mit Italien.
Italien ist ein e der großen Basketballnationen in Europa, die in den letzten Jahren etwas in der Versenkung verschwunden war, nachdem wir sie bei der EM 2007 in der Zwischenrunde aus dem Turnier geworfen hatten. Die italienische Liga ist nach wie vor eine der stärksten in Europa, und natürlich hat Italien seine drei NBA-Profis, die alle in den besten Jahren eines Basketballers sind und jeder ein Spiel alleine entscheiden können. Vielleicht ist es ein Vorteil für uns, dass die drei sich alle in der Spielanlage ähneln, alle drei sind Werfertypen, wenn auch auf unterschiedliche Positionen. Vom Talent erwarte ich Italien als eine der stärksten Mannschaften bei diesem Turnier.

Das gilt sicher auch für Frankreich?
Frankreich wird athletisch die stärkste Mannschaft in Litauen sein. Sie stehen sich manchmal selber im Weg, weil ihnen doch an der ein oder anderen Stelle die Disziplin fehlt. Das ist aber immer dann anders, wenn es um große Ziele geht und wenn man einen Spieler wie Tony Parker im Team hat. Aus meiner Sicht zeigt er immer eine unglaubliche Leistung, indem er sich sehr von seinem NBA-Stil löst und in der französischen Nationalmannschaft immer viel mehr als Denker und Lenker und weniger als Punktemaschine auftritt. Das macht er ganz hervorragend, wie er sich der unterschiedlichen europäischen Spielweise anpasst. Wenn man solch´ einen Aufbauspieler dabei hat, zusammen mit den vielen anderen Spielern, dann ist das eine Mannschaft, die einem immer größte Probleme bereitet. Aber wenn man mit Disziplin und physischer Härte gegen sie vorgeht, dann kann man sie beeindrucken, und wenn man Dirk und Chris hat, dann kann man Spiele auch spät entscheiden, wenn normalerweise Tony Parker aufdreht.

Dann erwarten viele die große „Rache“ der Serben.
Ich glaube, dass diese Dinge immer überbewertet werden. Wir wollen die Serben nicht weniger schlagen als sie uns. Es geht bei diesem Turnier um so viel, da sind persönliche Revanchegelüste eher nebensächlich. Das wird aber sicher eines der giftigeren Duelle werden. Wir haben in den vergangenen Sommern immer gegen die Serben gespielt, und es war immer ein Kampf auf Biegen und Brechen, und genau so wird es auch in Litauen sein. Wir dürfen uns von den Spiränzchen nicht von unserem Weg abbringen lassen, das Schauspielern und diese Dinge müssen wir ausblenden. Gegen das, was die Serben an physischem Spiel versuchen werden, müssen wir uns wehren, oder vielleicht sogar die Mannschaft sein, die diesbezüglich noch präsenter ist. Das wird sicherlich eines der interessantesten Spieler bei dieser EM-Vorrunde, da bin ich sicher.

Zum Abschluss geht es gegen die Letten.
Gegen die Letten haben wir uns bei der EM 2009 sehr schwer getan, aber es ist das letzte Spiel, und wenn wir da einen Sieg brauchen, werden wir alles tun, um uns den auch zu holen. Es wird sicher ein emotionales Spiel sein, ein Heimspiel der Letten gegen die Deutschen mit Nowitzki und Kaman, da wird wahrscheinlich halb Lettland nach Litauen rüberfahren, um das Spiel zu sehen. Da hat man es mit einer Mannschaft zu tun, die über viele hervorragende Werfer verfügt, aber auch in diesem Auswärtsspiel muss sich unsere Qualität durchsetzen.

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